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Full text of "Musik und Musiker im Lichte des Humors und der Satire: Vers und Prosa"

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Mus 94.11 



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gift of Benjamin Grosbayne 




THE MUSIC LIBRARY 

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HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 



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yVlUSIK UND yVlUSIKEI^ 

IM LICHTE DES HUMORS 
UND DER SATIRE. 



<VERS und «PROSA 
AUSGEWÄHLT VO>f 

H. OSMIN. 




BERLIN * ßlES & ERLEB 



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HARVARD UNIVERSITY 
EDA KUHN LOEB MUSIC LIBRAfCfl 
CAMBRIDGE 38. MASS. , 

HAT 2 519W 



DiTick ron J. M. Groth, Elmshorn. 



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MEINEN BEIDEN GETREUEN HELFERN: 



1 

4 



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)kt 



DIE SICH MT NIEMALS ABGESTUMPFTER TEILNAHME 
DURCH JEDEN STOFF HINDURCHARBEITETE 

UND MIT SCHNEIDIGER SCHJERFE 

DAS BRAUCHBARE VOM UNBRAUCHBAREN 

ZU TRENNEN VERSTAND; 

UND 



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in 



DER SICH BEIM ZUSAMMENFÜGEN BEW.EHRTE 

UND AUCH BEI 

DEN STÄRKSTEN ANSPRÜCHEN AN SEINE ARBEITSKRAFT 

NIE WIDERBORSTIG WARD 

WOFERN ICH NUR SEINER KLEINEN SCHWACHE 

FÜR HÄUFIGERE ANFEUCHTUNG 



(^ NACHGAB; 

OS IHNEN BEIDEN 



UND 

WIDME ICH DANKBAR 
DIES BÜCHLEIN. 



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VORWORT. 



Auf jedem Felde menschlichen Schaffens gedeiht zwischen 
den ernsthaft nickenden, fruchtheschwerten Aehren auch aller- 
hand lustiges Gewächs. Unkraut nennt's streng und ver- 
ächtlich der eine, der andere aher hat seine Freude an den 
hunten Blumen, die die gelbe Fläche anmutig unterbrechen, 
und sieht sie nicht ungern zum Strausse vereint. 

Ein solcher Strauss ist es, der dem Leser hier dargeboten 
und, wie ich hoffe, freundlich angenommen wird. 

Der Fach-Humor hat gerade in der Musik, der fast jeder 
Gebildete geniessend oder ausübend nahesteht, besonders reiche 
Blüten getrieben. Nicht nur geistvolle Musiker wie Karl 
Maria von Weber, Peter Cornelius, Hector Berlioz, haben 
gelegentlich das Bedürfnis gehabt, musikalische Dinge 
humoristisch zu behandeln. Vielmehr bewirkt die Allgemein- 
heit der Teilnahme an der Musik, dass auch Laien zu 
musikalischen Fragen Stellung nehmen — es sei nur an den 
„Fall Wagner" erinnert, — dass die Witzblätter sich liebe- 
voll mit der „Musikplage" im allgemeinen oder mit Einzel- 
erscheinungen beschäftigen, unter denen das Virtuosentum, 
der Dilettantismus, vor allem aber das vielgeschmähte Klavier- 
spiel schier unerschöpflichen Stoff hergeben. 

Auf diese Weise fliessen schon in der allgemein zu- 
gänglichen Litteratur die Quellen so reichlich, dass leicht 
mehrere Bändchen wie das vorliegende zu füllen sein würdWt 



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Daneben käme aber für eine etwaige Fortsetzung oder neue 
Auflage der Sammlung noch eine besondere Litteraturgattung 
in Betracht. In Festzeitungen, Tafelliedem und Bühnen- 
spielen, wie sie etwa gelegentlich einer Jubelfeier entstehen, 
ist oft eine solche Fülle von Geist und Witz ausgegeben, 
dass man jenen Erzeugnissen eine weitere Verbreitung 
wünschen möchte, als sie in der Regel finden. Dazu dürften 
Sammlungen dieser Art der geeignete Ort sein, und es wäre 
schon aus diesem Gesichtspunkte eine dankbare Aufgabe, 
auch für andere Künste und Wissenschaften ähnliche Hefte 
zusammenzustellen. Ansätze dazu sind in den Fach-Lieder- 
büchern vorhanden, aber freilich eben in der Beschränkung 
auf das Lied. Die Leser, die im Besitze von geeigneten 
Stücken dieser Art aus musikalischem Gebiete sind, werden 
freundlichst gebeten, sie durch die Verlagshandlung an mich 
gelangen zu lassen. 

Berlin, im März 1899. 

Der Herausgeber. 



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INHALTS. ÜBERSICHT. 



Allgemeines. 

Heinrich Seidel, Lob der Musik i 

Gustav Leutritz, Aus den Tonischen Studien 2 

Karl Maria von Weber, Kapuzinerpredigt 6 

Hector Berlioz, To be or not to be 9 

Paul Heyse, Aus den Gesprächen im Himmel 13 

Heinrich Fried, Mit der Musi, da konst mal'n gnuai . . . 16 

Hans Schmitt, Aphorismen 17 

Heinrich Simon, Vom liedersingenden Gott 18 

Julius Stettenheim, Ein- und Zweizeiler 20 

THEORETISCHES. 

Kurze Erklärungen musikalischer Ausdrücke 22 

Prof. Kalauer, Ueber die Fuge 23 

Karl Maria von Weber, Italienische Musik. Instrumentation . 24 
M. M., Harmlose musikalische A-B-C-Sprüchlein . . . .25 

Geschichtliches. 

Prof. Kalauer, Ueber einige berühmte Musiker .... 26 

Eduard Hanslick, Verdis Troubadour 28 

Peter Cornelius, Im Löwengarten 29 

Hans von Bülow, Prophetischer Musikkalender 34 

Richard Wagner, Widmungsverse an Nietzsche .... 38 

Friedrich Nietzsche, Aus dem ,Fall Wagner' 39 

Julius Stettenheim, Tristan und Isolde 4i 

Spitzen-Garnitur 42 

Julius Bauer, Darf i geig 'na? 44 

Otto Sommerstorff, Impromptu 45 

Oskar Blumenthal, Kutscher und Sänger 46 



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Komponisten, Virtuosen, Konzerte. 

R. Kietschke, Die Musikanten und ihre Rassen .... 46 

Gustav Freytag, Die Pauke 49 

Felix Mendelssolin-Bartholdy, Komponistenleiden .... 50 

Anton Rubinstein, Die Seestadt Leipzig und die Ocean-Sinfonie . 51 

Hans von Bülow, Vorchristliche Konzertpolizei .... 53 

Wilhelm Jordan, Im Konzertsaal 57 

Richard Schmidt-Cabanis, Vokal- und Instrumental- Wettrennen zur 

Berliner Konzert-Saison 69 

Alexander Moszkowski, Impromptus C2 

Die Konzertflut 68 

Klavierspiel, Gesang. 

Piccolo, Leitfaden für Klavierspieler - . .64 

Die Klavier-Hyäne 70 

Hector Berlioz, Der toll gewordene Flügel 7i 

Können Frauen Klavierstimmerinnen werden ? .... 76 
B^rl Wittkowsky, Eine deutsche Abendgesellschaft . . . .77 

Kurt Kamiah, Liebchen lass i 78 

Männergesang 78 

Die Kritik. 

Fritz Mauthner, Der Zeitungsteufel 80 

Selbstkosten 84 

Schwache Augenblicke der Kritik 86 

Potpourri 88 



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ALLGEMEINES 



LOB DER MUSIK 

von 
HEINRICH SEIDEL. 

Aus dem Gedicht „Die Mttelmässigen." 

Ges. Schriften Bd 7. Glockenspiel. Leipzig, 

A. G. Liebeskind [1892]. 



D'ie Musik ist heutzutage 

Wohl der Menschheit grösste Plage: 

Schauervolles wird erreicht, 

Wenn der Mensch die Geige streicht, 

Oder um die Ahendröte 

Zwecklos hläst auf einer Flöte. 

Und ich hege die Vermutung, 

Dass auch der Posaune Tutung 

Manchem wohl hei Tag und Nacht 

Keine grosse Freude macht. 

Dieser schlägt mit viel Gehimhel 

Grausamiich das Klavezimhel, 

Jener aher, gnadenlos, 

Kneift das Cello — Gott ist gross! 

Seine Langmut ist unendlich, 

Treih*s der Mensch auch noch so schändlich. 



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— 2 



Aus: TONISCHE STUDIEN 

von 

GUSTAV LEÜTRITZ. 

Dresden, L. Hofifarth 1879. 



Von den verschiedenen Arten der Tonkunst. 

Es teilt jedwede Wissenschaft 
Aus Rücksicht auf die Fassungskraft 
Den Stoff, den sie behandelt, fein 
In so und soviel Stücke ein. 
So teilt man die Musik zumal 
In Vokal- und Instrumental-, 
Und unterscheidet nebenbei, 
Was lyrisch, was dramatisch sei. 

Vom Zusammenwirken der Vokal- und Instrumental- 
musik. 

Vereintes Wirken beiderseits 
Das hat mitunter grossen Reiz. 
Dies zeigt das Oratorium, 
Auch gute Opern sind nicht dumm. 
Ja schon ein wohlbegleitet Lied 
Ergötzt ein sinniges Gemüt. 
Hingegen ist es nicht sehr schön, 
Wenn Menschen auseinandergehn. 



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— 8 — 

Von Melodie und Hannonie. 

Einst hielt man viel auf Melodie, 
Jetzunder geht's auch ohne sie; 
Die Harmonie jedoch zeigt heut 
Mehr Ueppig- als Gelehrsamkeit. 
Im Uebrigen hilft, geht's mal schief, 
Aus aller Not das Leitmotiv, 
Aufatmet auch der Hörer froh, 
Er weiss nunmehr sogleich, woso. 

Vom Gesangskünstler. 

Dem Sänger hilft zu Eenommee 
Das hohe oder tiefe C, 
Hat er noch Schule ausserdem, 
So ist das nicht unangenehm. 
Die Sängerin, wenn jung und schön, 
Lässt auch die Schule übersehn. 
Und wenn ihr 'mal etwas passiert, 
Sagt man: sie ist nicht disponiert 

Vom Pianisten. 

Dem Pianisten stets verleiht 
Viel Ruhm Aplomb und Fertigkeit. 
Ihm wohnen in der Fingerspitz' 
Empfindung, Ausdruck, Geist und Witz, 
und was so ganz unmenschlich schwer, 
Spielt aus dem blossen Kopfe er. 
Verlässt ihn das Gedächtnis 'mal: 
Getreu bleibt immer das PedaL 



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— 4 — 
Vom Zuhörer. 

Wer ein Konzert besuchen will, 
Sei pünktlich da und sitze still, 
Tret' auch den Takt nicht voll Gefühl, 
Und lass' unnützes Fächerspiel, 
Und steh' nicht auf und lauf' nicht fort, 
Bevor verklang der Schlussaccord. 
Wer dazu sich nicht kann verstehn, 
Der mag zur Wachtparade gehn. 

Von der Hausmusik. 

Wohnt nahe dir ein Musikus, 

Der sich natürlich üben muss. 

So trag' geduldig deine Qual, 

Der Himmel lohnt dir's wohl einmal. 

Doch wenn ein blosser Dilettant 

Sich quält und dich aus Band und Band, 

Dann mach' auch du Musik im Haus, 

Da zieht vielleicht der and're aus. 






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— 6 



KAPÜZINERPREDIGT 

von 
CARL MARIA VON WEBER. 

Aus dem unvollendeten Roman ^Tonktinstlers Leben**, 
begonnen 1809. *) 



[Das Kapitel schildert eine Gesellschaft, in der ein Kunstgespräch 
folgende Wendung nimmt:] 

Weit schädlicher jetzt einwirkend ist aher der ans Süden 
herüberwehende Rossinische Sirokkowind, dessen Glnt aber 
bald ausbrennen wird; denn wenn auch der Tarantelsticb die 
Leute znm Tanzen bring:t, so sinken sie doch bald erschöpft 
nnd dann geheilt nieder. 

In diesem Augenblicke fiel der am Pianoforte sitzende 
und zuhörende Klaviermeister mit der Tarantella in rasendem 
Tempo ein, welcher er, geschickt und höchst witzig parodierend, 
Di tanti palpiti zur Ergötzlichkeit der ganzen Gesellschaft 
zu verweben wusste. Mit taschenspielerischer Fertigkeit hatte 
Diehl seinen braunen Mantel umgeworfen, den Kragen zur 
Kapuze gestaltet, und unterbrach nun den Jubel, von einem 
Stuhle auf die Versammelten herab donnernd: 
Heisa, Juchheisa! Dudeldumdei! 
Das geht ja toll her, bin nicht dabei 



*) Hier nach dem ziemlich selten gewordenen ersten Druck, der unter 
dem Titel „Bruchstücke aus : Tonkiinstlers Leben. Eine Arabeske von 
Carl Maria von Weber" in der von Friedrich KIND herausgegebenen 
Monatschrift „Die Muse"" Band i. Leipzig I82i erschien. Der Abdruck 
in Webers hinterlassenen Schriften hrsg. v. Th. HELL (1827), auf den 
auch die späteren Ausgaben zurückgehen, zeigt mehrfache Ab- 
weichungen, meist Verschlechterungen des Textes; so ist dort z. B« 
4ie mt HÄNDBIL bezügliche Zeile f^anz ausgefallen, 



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— 6 — 

Ist das eine Art Komponisten? 

Seid ihr Türken, seid ihr noch Melodisten? 

Treiht man so mit der Tonkunst Spott, ^ 

Als hätte der alte Musengott 

Das Chiragra, könnte nicht dreinschlagen? 

Ist jetzt die Zeit der Orchesterplagen, 

Mit Pikkeiflöten und Trommelschlagen? 

Ihr steht nicht hier und legt die Hände in Schoss, 

Die Kriegpfurie ist in den Tönen los, 

Das Bollwerk des reinen Sangs ist gefallen, 

Italien i<«t in des Feindes Krallen, 

Weil der Komponist liegt i) im Bequemen, 

Höhnt die Natur, lässt sich's wenig grämen. 

Kümmert sich mehr um den KNALL, als den SCHALL, 

Pflegt lieher die NARRHEIT, als die WAHRHEIT, 

Hetzt die Hörer lieher toll im Gehirn, 

Hat das HONORAR lieher, als das HONORIER'N. 

Die Kunstfreunde trauern in Sack und Asche, 

Der Direkteur füllt sich nur die Tasche. 

Der KONTRAPUNKT ist worden zu einem KUNTERBUNT, 

Die LERNENDEN sind ausgelassene LÄRMENDE, 

Die MELODIEN sind verwandelt in MALADIEN, 

Und allen gesegneten klass'schen Genuss 

Verkehrt man uns in Knallfldibus. 

Woher kommt das? das will ich euch verkünden: 

Das schreibt sich her von vielen Applaudierstinden, 

Von dem Geschrei und Bravogeben, 

Dem jetzt die Publikumer leben. 

Wenn freche Passag' macht den Magnetstein, 

Der den Applaus zieht in die Oper 'nein. 

Auf den Laufer, gut oder übel, 

Folgt das Gepatsch, wie die Thrän' auf die Zwiebel. 



1) Im Ori^al steht, wohl durch ein Verseheii: liest, 



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— 7 — 

Hinter dem Esel kommt pfleich der Schwanz, 

Das ist 'ne alte Knnst Observanz. 

Es ist ein Gebot, du sollst den alten 

Und reinen Satz nicht unnütz halten, 

Und wo hört man ihn mehr blasphemieren. 

Als jetzt iw den allemeusten Ton quartieren ? 

Wenn man für jede Oktav und Quint, 

Die man in euren Partituren lind't, 

Die Glocken müsst' läuten im Lande umher. 

Es war' bald kein Glöckner zu finden mehr. 

Und wenn euch') für jeden falschen Accent, 

Der aus eurer ungewaschnen Feder rennt, 

Ein Härlein ausging aus eurem Schopf, 

Über Nacht war' er geschoren glatt, 

Und war' er so dick, als Absalons Zopf. 

Der HÄNDEL war doch wohl ein Kunstmagnat, 

Der GLUCK schrieb doch wohl auch mit Effekt, 

Der MOZART hat auch, glaub' ich, Neues geheckt. 

Und wo steht denn geschrieben zu lesen, 

Dass sie so unwissende Kerle gewesen? 

Braucht man der Tint' doch, ich sollte meinen, 

Nicht grössern Aufwand zu reinen Sätzen, 

Als zu unreinen Gemeinplätzen! 

Aber wessen das Gefäss ist gefüllt. 

Davon es sprudelt und überquillt. 

Wieder ein Gebot ist: Du sollt nicht stehlen! 

Ja, das befolgt ihr nach dem Wort, 

Denn ihr tragt alles offen fort 

Vor euren Klauen und Geiersgriffen, 

Vor euren Praktiken und bösen Kniffen 

Ist die Not' nicht sicher in der Zeil, 

Find't die Melodie und der Bass kein Heil, 



1) Im Original .-auch. Die Hellsehe Lesart e u ch ist hier vorzuziehen. 



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- 8 - , 

Ihr schiesst mit dentschem und fränkischem Pfeil. 

Was sagt der Prediger? Contenti estote, 

Begnügt euch mit eurem Kletzerbrote!*) 

Aber wie soll man die Schreiber fassen, 

Kommt doch das Ärgernis aus den Massen 1 

Wie das Publikum, so das Haupt; 

Weiss doch niemand, an was das glaubt. 
FELIX. Halt, uns Komponisten mag der Herr schimpfen. 

Das Publikum soll er uns nicht verunglimpfen! 
DIEHL (vom Stuhle springend). Und ihr mir meinen Rossini 
nicht! Glaubt ihr, weil ich seine zahllosen Schwächen kenne, 
ich liebte ihn darum weniger? Nein, ich lobe mir meinen 
liebenswürdigen ungezogenen Jungen, Fenfant ch6ri de la 
fortune. Seht, wie reizend er das Gemach durchstürmt, wie 
witzig glühende Funken aus seinen Augen sprühen, welche 
liebliche, herrliche, würzige Blümlein er jenen Damen in den 
Schoss wirft! Was schadet es denn, wenn er in der Eile 
einen alten Herrn auf die Zehen tritt, eine Tasse zerbricht, 
oder gar den grossen Spiegel zerschlägt, der die Natur so 
herrlich wiederstrahlt? Man verzeiht dem losen Jangen, nimmt 
ihn liebkosend auf den Arm, in welchen er wohl, gleich wieder 
lustig übermütig, einen Biss versucht, dann entlaufend, an 
der Schule vorbei, und die armen Kameraden auslachend, die 
darin schwitzen, und vom Publikum höchstens mit Kartoffeln 
gefüttert werden, indes er Marzipan knabbert. 

Ich fürchte mich vor nichts, als vor der Zeit, wo er an- 
fangen wird, klag werden zu wollen, und der Himmel gebe 
der gaukelnden Libelle einen gnädigen Blumentod, ehe sie 
bei dem Versuche, zur Biene werden zu wollen, als gehasste 
Wespe inkonmiodiert ! 



1) Eine Art Roggenbrot, worin des Mehls wenig, desto mehr aber 
llQSinen qnd Mandeln sind, (Anmerkung Webers,) 



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9 — 



TO BE OR NOT TO BB. 

Paraphrase von 
HECTOR BERLIOZ.i) 

Aus „A travers chants". — Deutsch von H. S. 



Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage: Ob's edler 
im Gemüt, die elenden Opern, lächerlichen Konzerte, mit- 
telmässigen Virtuosen und toll gewordenen Komponisten zu 
erdulden, oder sich waffnend gegen diese See yon Plagen, 
durch Widerstand sie enden? Sterben — schlafen — nichts 
weiter! — und zu wissen, dass der Schlaf das Ohrzerreissen, 
Herz- und Hirnweh endet, die tausend Stösse, die die Aus- 
übung der Kritik unserem Kopfe und unseren Sinnen ver- 
setzt I — 'S ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. — 
Sterben — schlafen — Schlafen! Vielleicht das Alpdrücken 
bekommen! — Ja, da liegt's: Was in dem Schlaf für Träume 
quälen mögen, in diesem Todesschlaf, wenn wir den Drang 
des Ird'schen abgeschüttelt, was für närrische Theorien wir 
werden piiifen, was für misstönende Partituren hören, was 
für Dummköpfe loben, was für Beleidigungen gegen die 
Meisterwerke mit ansehen müssen, was für Unsinn wird ge- 
predigt, was für Windmühlen werden für Riesen gehalten 
werden? 

Das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht, die 
die Artikel so zahlreich werden und die Elenden, die sie 
schreiben, zu hohen Jahren kommen lässt 

Denn wer ertrüg' auch den Verkehr mit einer sinnlosen 
Welt, das Schauspiel ihres Wahnsinns, den Dünkel und das 
Dunkel in ihren Köpfen, ihr ungerechtes Richten, die eisige 

1) Der Name des Verfassers lautet Berlioss, nut kurzen^ o un4 
BQhftrfem 8, 



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— 10 — 

Gleichgültigkeit der Regierenden? Wer Hesse sich hernm- 
wirheln von dem Windhauche der unedelsten Leidenschaften, 
der armseligsten Interessen, die sich als Liebe zur Kunst 
ausgeben, wer erniedrigte sich zur ernsthaften Erörterung 
des Abgeschmackten, wer wäre Soldat und lehrte seinen 
Feldherm kommandieren, wäre Reisender und führte seinen 
Führer, der sich trotzdem verirrt, — wenn ein Fläschchen 
Chloroform oder eine stahlgepanzerte Kugel genügte, um 
sich dieser demütigenden Arbeit zu entziehen? Wer sähe 
ergeben zu, wie in dieser Erden weit Verzweiflung aus Hoff- 
nung wird, Ermüdung aus ünthätigkeit, Zorn aus Geduld 
— war' nicht die Furcht vor etwas Schlimmerem nach dem 
Tod — das unbekannte Land, aus dessen Bezirk noch kein 
Kritiker wiederkehrte? . . . Das ist's, was den Willen irrt 
und verwirrt . . . 

Aha, man kann nicht einmal ein paar Minuten seinen 
Gedanken nachhängen; da kommt die junge Sängerin Ophe- 
lia, mit einem Klavierauszuge bewaffnet und ihr Gesicht zu 
einem Lächeln verzerrend. 

Was wollen Sie von mir? Komplimente, nicht wahr? 
immer und immer. 

Nein, mein Prinz; ich hab' von euch noch einen Klavier- 
auszug, den ich schon längst begehrt zurückzugeben. Ich 
bitt' euch, nehmt ihn jetzo. 

Nein, ich nicht; ich gab euch niemals 'was. 

Mein Prinz, ihr wisst gar wohl, ihr gabt ihn mir, und 
liebenswürd'ge Worte noch dazu, die des Geschenkes Wert 
erhöhten. Nehmt es zurück, denn edlerem Gemüte verarmt 
die Gabe mit des Gebers Güte. Hier, gnäd'ger Herr. 

Ha, ha! Ihr habt Gemüt? 

Gnädiger Herr? 

Und seid eine Sängerin? 

Was meint Eure Hoheit? 



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— 11 — 

Dass, wenn Ihr Gemüt habt und Sängerin seid, euer 
Gemüt keinen Verkehr mit eurem Gesänge pflegen muss. 

Könnte 'der Gesang wohl besseren Umgang haben als 
mit dem Gemüt? 

Weit gefehlt; denn die Macht eines Talents wie das 
eurige wird eher die edelsten Regungen des Gemütes ver- 
derben, als das Gemüt das Trachten des Talents adeln wird. 
Dies war ehedem paradox, aber nun bestätigt es die Zeit. 
Ich bewunderte euch einst. 

In der That, mein Prinz, Ihr machtet mich's glauben. 

Ihr hättet mir nicht glauben sollen. Meine Bewunderung 
war nicht ehrlich. 

Urasomehr warde ich betrogen. 

Geh' in ein Kloster. Was ist dein Ehrgeiz? Ein be- 
rühmter Name, viel Geld, der Beifall der Thoren, ein Gatte 
mit schönem Titel, der Name Herzogin. Ja, ja, sie träumen 
alle davon, einen Prinzen zu heiraten. Warum wolltest 
da ein Geschlecht von Blödsinnigen zur Welt bringen? 

hilf ihm, güt'ger Himmel! 

Wenn du heiratest, so gebe ich dir diese trostlose 
Wahrheit zur Aussteuer: eine Künstlerin sei so kalt wie Eis, 
so rein wie Schnee, sie wird der Verleumdung nicht entgehen. 
Geh' in ein Kloster. Leb' wohl; oder willst du durchaus 
heiraten, so nimm einen Kretin, das ist das beste, was du 
thun kannst ; denn gescheite Männer wissen allzugut, welche 
Qualen ihr ihnen bereitet. In ein Kloster! geh! und das 
schleunig. Leb' wohl. 

Himmlische Mächte, stellt ihn wieder her! 

Ich weiss auch mit all' eurer koketten Singerei Bescheid, 
mit euren lächerlichen Ansprüchen, eurer dummen Eitelkeit. 
Gott hat euch eine Stimme gegeben, und ihr macht euch eine 
andere daraus. Man vertraut euch ein Meisterwerk an, ihr 
entstellt es, ihr ändert seinen Charakter, ihr putzt es mit 



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— 12 — 

elenden Yerzierongen anf , ihr macht freche Ettrznngen, bringt 
nngrehörige Läufe, lächerliche Arpeggien, lustige Triller an; 
ihr beleidigt den Meister, die Leute von Geschmack, die 
Kunst, den gesunden Menschenverstand. Geht mir! Nichts 
weiter davon. In ein Kloster! in ein Kloster! (ab). 

Die junge Ophelia hat nicht so ganz Unrecht, Hamlet 
hat wohl ein wenig den Verstand verloren. Aber in unserer 
musikalischen Welt, wo augenblicklich alle vollständig ver- 
rückt sind, wird es weiter nicht auffallen. Ausserdem hat 
er lichte Augenblicke, der arme Dänenprinz; er ist nur toll 
bei Nord-Nord-West; wenn der Wind südlich ist, kann er 
ganz gut einen Kirchturm von einem Laternenpfahl unter- 
scheiden. 



^ 



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-- 13 - 



Aus: GESPRACHE IM HIMMEL 

von 

PAUL HEYSE. 

Cosmopolls Vol. 7. Berlin, Rosenbaum & Hart 1897. 



Ein MALER und ein MUSIKER. 

MALER. 
Was zieht Ihr so ein kraus Gesicht? 
Will's Euch so wenig hier behagen? 

MUSIKER. 
Hm, nicht zum besten, muss ich sagen, 
Allein auch Ihr scheint mir der Frohste nicht. 

MALER. 
Ja ich — wie könnt' es anders sein? 
Mir ist durchaus nicht himmlisch wohl, 
Wie man im Paradies sich fühlen soll. 
Auf Schritt und Tritt zu meiner Pein 
Begegnen mir seraphische Gestalten 
In präraffaelitisch langen Falten 
Und mit echt goldnem Heiligenschein. 
Im Leben war ich, müsst Ihr wissen, 
Ganz andrer Anschauung beflissen. 
Hielt aU das Holde für überlebt. 
Wie es die alten Meister malten. 
Und war mit heft'gem Fleiss bestrebt, 
Heil'ge Historien und Legenden 
Ins platt Natürliche zu wenden. 



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— 14 — 

Auch unsem Herren Jesus Christ, 

Die Jungfrau selbst, die ihn gebar, 

Stellt' ich recht kümmerlich und hässlich dar, 

Wie das denn heut' im Schwange ist. 

Nun bin ich gleich am ersten Tag 

Der Mutter Gottes hier begegnet. 

Mit allem Himmelsreiz gesegnet, 

Nicht wie ich sie zu malen pflag; 

Verging in Scham und Reue schier. 

Da ich so lieblich sie erschaute, 

Den Sohn so huldvoll neben ihr. 

Aus dessen mildem Auge blaute 

Ein ewig strahlender Azur, 

Vom Proletarier keine Spur. 

Erschüttert sank ich in die Knie 

Und stammelte: Gelobt sei'st du, Marie! 

Und da es leider nun hier oben 

Nicht Pinsel und Palette giebt. 

Kann ich die Umkehr nicht erproben. 

Ihr aber, Freund, wenn's Euch beliebt, 

Könnt nach wie vor Euch Eurer Kunst erfreuen. 

So etwa als Kapellenmeister, 

Als regens chori sel'ger Geister, 

Und habt nichts weiter zu bereuen. 

MUSIKER. 

Bester, darin irrt Ihr sehr. 
Ich war als Komponist bisher 
Der neuesten Richtung zugethan, 
Denn des Bayreuther Meisters Wahn 
Drang innerst mir in Mark und Blut, 
Verschmähte stets mit wahrer Wut 
Die Einfalt süsser Melodie, 



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- 15 — 

Thät nur nach Dissonanzen trachten, 

Bei canto ungemein verachten, 

Und hier — der Sphärenharmonie 

Ganz zu geschweigen — diese Chöre 

Der Engel, die ich täglich höre. 

Erst wünscht' ich sie zu allen Teufeln, 

Doch nach und nach — 's ist zum Verzweifeln 

Bestrickten sie so süss mein Ohr, 

Ich kam mir selbst recht kläglich vor 

Und schalt mich einen Renegaten, 

Dass meinen Meister ich verraten. 

Ja, dass ich's nur gesteh': 

Vorhin in Palestrina's Art 

Summt' ich wahrhaftig in den Bart 

Ein Miserere mei. Domine! 



^ 



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- 16 -^ 



MIT DER MUSI, DA KONST MAL'N GNUA! 

Von 

HEINRICH FRIED. 

Aus der Neuen Musikzeitung 1882. 



„Mit der Musi", sagt ma, „konst koa Bild net marn." 
Des is richti, und i will a gar net prahlen; 
Wan's a koa Bild net is, horch* nur a weni zua: 
Mit der Musi, da konst malen gnua! 

Mit der l^usi malst koan Berg net, des is wahr, 
und koa Thal net, und koan See, so hlau und klar, 
Malst koan Wald, koa Dörfl und koa Kirch derzua — 
Mit der Musi malst die S ONNTAGSRÜAH. 

Mit der Musi freili, da malst koan Altar 
Und koa Engerl mit dem gold'nen Lockenhaar 
Und koa Christuskinderl und koan Heiland net — 
Mit der Musi aher malst 's GEBET. 

Schau^ der Maler malt a Kammerl und a Wiegen, 
Und a Kinderl a, des sieht ma drinna lieg'n, — 
Und sei Muatter, die ko' ihr net schaua g'nua — 
Mit der Musi malst die LIAB' derzua. 

Schau\ der Maler malt an schönen Ahomhaam 
Und a Häuserl demeh'n, als wie in Traam, 
Und hervom, da winkt a Muatterl mit der Hand — 
Aber 's HOAMWEH malt der Musikant. 

Mit der Färb', da malst a Fahnerl weiss und blau 
Und an Löwen d'rin, der hat a fuchtig's G'schau; 
Des bewacht mit seiner Bix a frischer Bua — 
Mit der Musi malst die SCHNEID derzua! 



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— 17 — 



APHORISMEN 

von 
HANS SCHMITT. 



Aus dem „Klavierlehrer", hrsg. von Prof. E. Breslaur, 1896. 



Bei der Beurteilnng eines Werkes kommt es oft daran! 
an, ob der Becensent dem Autor wohl will oder nicht. Wider- 
fährt es z. B. einem Komponisten, dass er in eine Aehnlich- 
keit mit einer Komposition von Bach verfällt, so schreibt der 
übelwollende Kritiker: „Das hat er von Bach gestohlen." 
Will der Kritiker aber dem Komponisten wohl, so schreibt 
er: „Bach hat prophetisch anf ihn hingewiesen." 



Stamme Klaviere giebt es, aber stumme Klavierspielerinnen 
müssen erst erfanden werden. 



Als das dauerhafteste „Schnabelleder" der Klaviere gilt 
das aus amerikanischem Hirschleder verfertigte. Noch dauer- 
hafter wäre das Schnabelleder der Mädchen. 



Könnte man nur einen Polizeimann nach dem unaus- 
geforschten Mtli schicken, auf dem die Schüler die gemein- 
samen Fehler vereinbaren und beschwören. 



Vorsichtige Leute setzen grossen Toten Monumente 
aufs Grab, damit sie schwerer herauskönnen. 



Wenn die Not am grössten, ist das Pedal am nächsten. 



Nicht nur in der Musik, oft auch im Leben gelten hohle 
Köpfe mehr als die andern. 



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— 18 — 

Wer es nicht glauben will, dass das Klavier das schwerste 
Instrument ist, der frage nur die Klavierträger. 



Wenn einmal eine Naturgeschichte der Musiker geschrieben 
wird, dann kommen die Virtuosen unter die Wiederkäuer. 



J5^ 



VOM LIEDERSINGENDEN GOTT. 

Von 

HEINRICH SIMON. 

Aus dem „Klavierlehrer" 1896. 



Sind dem verehrten Leser die folgenden Sätze bekannt? 
„Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines 

Dudelsacks. — Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. 

Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend." 
Das Citat stand vor kurzem in der Vossischen Zeitung 
als Einleitung eines Konzertberichts. Der Kritiker war durch 
die Konzertflut des eben vergangenen Winters im allge- 
meinen und durch das Auftreten einiger unberufenen Klavier- 
spieler im besonderen zu dem Wunsche gelangt, das Leben 
möchte ein Irrtum sein. Ich will nicht untersuchen, ob er 
recht hat, auch nicht, ob der Ton eines Dudelsacks wirklich 
glücklich macht; ich möchte fast glauben, dass die Fälle 
häufiger sind, wo er die entgegengesetzte Wirkung hervor- 
bringt. Meine Aufmerksamkeit fesselte vor allem der letzte 
jener drei Sätze: „Der Deutsche denkt sich selbst Gott 
liedersingend." Die hergebrachte Anschauung der Deutschen 
ist das ja nun sicherlich nicht Wir hören zwar manchmal 
die Englein im Himmel pfeifen, und unter ganz besonders 



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— 19 — 

günstigen Umständen hängt uns der Himmel voller Geigen 

— allein damit sind unsere Kenntnisse von der Sphären- 
musik wohl so ziemlich erschöpft, und dass der Hebe Gott 
im Himmel selber Lieder singt, ist jedenfalls neu. Aber, 
wie ist mir denn? Dämmert mir nicht aus meiner Einderzeit 
eine Erinnerung herauf, wonach ich diese Vorstellung selber 
einmal gehabt habe? Und vom Deutschen war doch auch 
dabei die Rede Richtig, ich hab's: 

Soweit die deutsche Zunge klingt 
Und Gott im Himmel Lieder singt 

— so weit reicht nach Vater Arndt des Deutschen Vater- 
land, und ich habe mir als Knabe wirklich den lieben Gott 
vorgestellt, wie er prächtig dasitzt und seine himmlischen 
Lieder singt und mit seinem glänzenden goldenen Stabe den 
Takt dazu schlägt, und das kam mir sehr festlich und ehr- 
furch tgebietend vor. Aber freilich, damals wusste ich noch 
nicht den Nominativ vom Dativ zu unterscheiden, und erst 
später bin ich um die prosaische Erkenntnis, dass in jenem 
Verse die deutsche Zunge das Subjekt und Gott das Objekt 
ist, reicher und um eine Blusion ärmer geworden. 

Der Verfasser unseres Citats dagegen scheint sich diese 
Blusion in die Jahre hinübergerettet zu haben, wo man seine 
Gedanken drucken lässt. In der That bin ich überzeugt, 
dass seinem Satze vom liedersingenden Gott der Deutschen 
nichts anderes zu Grunde Uegt, als jenes Missverständnis, 
bin davon überzeugt, obgleich der Verfasser kein Geringerer 
ist als — Friedrich Nietzsche. Die Worte stehen in der 
„Götzen-Dämmerung" als Nummer 33 des Kapitels „Sprüche 
und Pfeile." 

Aus häufiger Erfahrung an mir und anderen weiss ich, 
wie lange falsche Vorstellungen und Begriffe, die wir uns 
als Kinder gebildet haben, in uns festsitzen, bis ein Zufall 
uns plötzlich ihre Verkehrtheit zeigt Ich könnte merk- 



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— 20 — 

würdige Beispiele anführen, fürchtete ich nicht, die Geduld 
des Lesers über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Immerhin 
schien es mir nicht uninteressant, solchen Fall bei einem so 
scharfsinnigen Denker wie Nietzsche nachzuweisen. 



^ 



EIN- UND ZWEIZEILER 

von 

JULIUS STETTENHEIM. 

Aus : Tausend Ein- und Zweizeiler. Berlin, Freund & Jeckel 1896. 



Man kann die meisten Libretti sten nicht schlimmer kri- 
tisieren, als indem man ihnen ihren eigenen Text liest. 

Die meisten Operetten-Partituren werden mit Kopiertinte 
geschrieben. 

Singe, wem Gesang gegeben! sagte der auf dem Feuer 
stehende Theekessel. 

Es giebt Kritiker, die in allen Sätteln ungerecht sind. 



Der wahre Musikfreund wird wünschen, dass in jedem 
Hause ein Klavier fehle. 

Der Zigeuner mag noch so diebisch veranlagt sein, 
Operetten komponiert er denn doch nicht. 



Wenn der musikalische Dilettant Eücksicht übte, wie 
wenig Klavier würde er übenl 



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— 21 — 

Für manche Konzerte ist es gut, dass die Thüren wäh- 
rend der Musik geschlossen bleiben. Das Hinauslaufen störte 
doch sehr. 

Ein Künstler ist mehr wert als ein Tausendkünstler. 



„Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder", sagt 
Seume. Er ärgerte sich gewiss in der Oper über die 
Spätkommenden. 

Musik-Dilettanten gleichen den Heuschrecken darin, dass 
sie mit den Flügeln Geräusch hervorbringen. 



Konzertgeben ist seliger als Nehmen. 



Wer doch dem klavierspielenden Dilettanten den Flügel 
stutzen könnte! 

Es giebt Pianisten, welche nicht zu hören schon der 
Mühe wert ist. 

Auch auf Klavieren und Geigen wird Blechmusik her- 
vorgebracht. 

Es giebt Kritiker, welche wohl feil sind, aber nicht 
wohlfeil. 



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22 — 



THEORETISCHES. 



KURZE ERKLÄRUNGEN MUSIKALISCHER 
AUSDRÜCKE 

von einem 
MISSVERGNÜGTEN MUSIKER. 

Aus dem „Klavierlehrer" 1895. [Auszug.] 



Melodie. Ein veralteter Begriff. 

Harmonie. Diejenige Empfindung, die zwischen zwei 
an demselben Theater angestellten Primadonnen besteht. 

Verminderter Septimenaccord. Ein Accord, mit 
dem man aus einer Tonart in die andere moduliert, wenn 
kein leichterer Weg zu finden ist. 

Parallele Quinten. Ein Kunstgriff, den die Kom- 
ponisten anwenden, um ihre Gleichgültigkeit gegen die gram- 
matikalischen Regeln zu zeigen und Kritiker und Musik- 
gelehrte zu ärgern. 

Rhythmus. Eine Anzahl von Accenten, je stärker 
je besser, die absichtlich auf unbetonte Taktteile gesetzt 
werden, so dass niemand merken kann, wann der Takt 
beginnt oder schliesst. 

Modulation. Die Kunst, in einer Tonart zu beginnen, 
geschickt durch alle verschiedenen Tonarten zu gehen und 
zur ersten zurückzukehren, ohne dass man es gewahr wird. 



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Verweilt ein Stück so lange in einer Tonart, dass der Hörer 
imstande ist, sie seinem Gedächtnis einzuprägen, so taugt 
die Modulation nichts. 

Tremolo. Ein orchestraler Kunstgriff, der oft bei 
Begleitungen angewendet wird, wenn man kein anderes 
bequemes Hilfsmittel zur Hand hat. Das Tremolo ist imstande, 
alle natürlichen und übernatürlichen Ideen auszudrücken, seien 
es himmlische, irdische oder teuflische, je nachdem es in den 
höchsten Lagen, im Mittelregister oder im Bass auftritt. 
Wird es von der menschlichen Stimme ausgeführt, so ist es 
gewöhnlich der Ausdruck für Furcht, oder auch die Unfähig- 
keit, auf andere Art zu singen. 

Crescendo. Schneller. 

Diminuendo. Langsamer. 

Allegro. In Italien, so schnell wie möglich; in 
Deutschland, gemässigt; in England, ohne jede Eile. 

Komposition. Die Kunst, die musikalischen Ideen 
anderer in sich aufzunehmen und sie derart wiederzugeben, 
dass man sie selbst kaum wiedererkennt, geschweige denn 
ein anderer. 

A Capella- Gesang. Ein mehrstimmiger, unbeglei- 
teter Gesang, der in einer bestimmten Tonart beginnend, 
gewöhnlich einen halben Ton, oder auch mehr, tiefer endet. 



;^ 



ÜBER DIE FÜGE. 
Aus Prof. KALAUERS Musiklexikon. 



Fugen werden am besten alt gekauft, vor neueren 
Nachahmungen wird gewarnt. Im Ganzen nur für Kenner. 



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— 24 — 

Will man als solcher erscheinen, so sehe man beim Vortrag 
einer Fuge ernsthaft nnd womöglich sehr aufmerksam ans. 
Bei einiger Uebnng merkt man auch die Eintritte des 
Themas, nnd es macht einen sehr gelehrten Eindruck, wenn 
man dann jedesmal mit dem Kopfe nickt. Jedoch hüte man 
sich hier vor Uebertreibung, da beständiges Nicken während 
der Musik verdächtig ist. Die Oratorien-Komponisten be- 
dienen sich sehr wirksam der Fuge am Schlüsse ihrer Werke, 
um dem Publikum rechtzeitig das Zeichen zum Aufbruch 
nach der Garderobe zu geben. Hiemach bedarf es keiner 
weiteren Erklärung, dass das Wort Fuge von dem lateinischen 
fuga, Flucht, herstammt. 



ITALIENISCHE MUSIK. 

Instrumentation. 

Von 

KARL MARIA VON WEBER. 



Oboi coi Flauti, Clarinetti coi Oboi, Flauti coi Violini. 
Fagotti coi Basso. Violine 2do coi Primo. Viola coi Basso. 
Voce ad Libitum. Violini coUa parte. 



^ 



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— 25 



HARMLOSE 

MUSIKALISCHE ABC-SPRÜCHLEIN 

von 

M. M. 

Ans: Musikalische Mixtur. Annaberg, H. Graser [1880]. 
[Auszug.] 



Bassnoten lernen fällt oft schwer, 
Banknoten zählen weniger. 

Der Cantor singt mit starkem Tone, 
Gar viel Cantaten sind nicht ohne. 

Der Hände hrancht man heim Klavier 
Gewöhnlich zwei, manchmal auch vier. 

Ans Lämmerdärmen macht man Saiten, 
Die manchmal Lnst, oft Schmerz hereiten. 

Höchst leis heisst pianissimo. 

Das merke dir und pauk' nicht so! 

Zum Scherz sollst du kein Tierchen quälen. 
Mach' auch nicht Quintenparallelen!. 

Musik bringt Rührung oft zustande, 
Das Rindvieh lebt meist auf dem Lande. 

Singe, wem Gesang gegeben. 

Und wem nicht, der schweige eben. 

Mit X giebt's in Musik allein 

Ein einziges Wort nur: „Xangverein." 



^ 



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26 — 



GESCHICHTLICHES. 



ÜBER EINIGE BERÜHMTE MUSIKER. 

Aus Prof. KALAUERS Musiklexikon. 
3. Auflage. Berlin, Ries und Erler 1896. 



Bach, Johann Sebastian, verdankt seinen Ruf haupt- 
sächlich dem glücklichen Zufall, dass er den Auftrag erhielt, 
zu einer bertihraten Gounodscben Melodie die Begleitung zu 
schreiben. In unbegreiflicher Selbstüberschätzung gab er 
letztere ohne die Melodie als sogenanntes Präludium mit 
anderen Stücken zusammen unter dem Titel „Wohltempe- 
riertes Klavier" heraus, fand aber bei den Verehrern des 
„Ave Maria" wenig Absatz. — Seine „Passionen" gelten als 
nobel, mit Ausnahme der Lukas-Passion. — Er hinterliess 
zahlreiche Söhne, welche gleichfalls Bach Messen. 

CZERNY, Karl, ein Mann von boshafter Gemütsart, 
der keine kleinen Kinder leiden konnte und deshalb beständig 
Etüden schrieb. Seit seinem im Jahre 1857 erfolgten Tode 
ist man mit der Zählung dieser Etüden beschäftigt, aber 
noch nicht damit fertig geworden. Diese fabelhafte Frucht- 
barkeit erklärt sich nur durch seine unglaubliche Finger- 
fertigkeit in der Komposition. Natürlich sind fast alle seine 
Noten nach oben gestrichen, da er stets Hals über Kopf 
arbeitete. 



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Qoo^z 



— 27 ~ 

Haydn, Mozart tmd Beethoven bilden die soge- 
nannten Klassiker. Man erkennt sie daran, dass sie länger 
als dreissig Jahre tot sind. Infolgedessen haben ihre Kom- 
positionen den ungemeinen Vorzug, in den wohlfeilen Aus- 
gaben zu erscheinen und werden von Vätern, die an den 
Musikunterricht ihrer Sprösslinge nicht viel wenden können, 
nach Billigkeit geschätzt. Diese Freude wird nur dadurch 
beeinträchtigt, dass die Klassiker eine unbezwingliche Nei- 
gung hatten, überwiegend Sonaten und Sinfonien zu schreiben. 

Einige Epigonen, wie Mendelssohn, Chopin, Schu- 
mann haben den Klassikern den Kniff, länger als drei 
Jahrzehnte tot zu sein, abgeguckt und sind also gleichfaUs 
sehr billig. Man nennt sie zur Unterscheidung von jenen 
Eomantiker. 

Rossini, Gioachino, weltbekannt durch seine von spru- 
delnder Heiterkeit erfüllten Kirchen -Kompositionen, deren 
lustigste das bekannte „Stabat mater" ist. Einer ernsteren 
Richtung gehören seine Opern an, von denen „der Barbier" 
den meisten Erfolg gehabt hat. Dieser Undankbare — 
Figaro heisst er — bestellte trotzdem die Musik zu seiner 
Hochzeit nicht bei Rossini, sondern bei Mozart. 

Schubert, Franz, der Komponist des berühmten 
,, Schubert- Albums", für hohe, mittlere und tiefe Stimme. 
Sein op. 1 „der Erlkönig" zeigt bereits ein ganz nettes 
Talent. Von seinen späteren Liedern sind mehrere sehr 
populär geworden. So dasjenige, welches die hübsche Episode 
behandelt, wie ein unglückseliges Weib seinen Liebhaber in 
der Nähe eines einsamen Fischerhauses mittels einiger 
Thränen vergiftet. Auch trifft man in Gesellschaften häufig 
einen wenig stimmbegabten „Wanderer", der, durch Schubert 
in Musik gesetzt, versichert, er käme vom Gebirge her und 
uns zu überzeugen weiss, dass dort, wo er nicht sei, das 
Glück wohne. — Was Schuberts Instrumental-Kompositionen 



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— 28 — 

betrifft, so wird es für alle Zeiten erstaunlich bleiben, wie 
er in einem so kurzen Leben so ausserordentlich lange Sätze 
schreiben konnte. 



* 



VERDIS TROUBADOUR 

von 
EDUARD HANSLICK. 

Aus der „Modernen Oper". Berlin, A. Hofmann & Co. 1875. 



Das Libretto, der modernen spanischen Bühne entlehnt, 
behandelt eine ebenso grässliche als dunkle Begebenheit. 
Aus der Naturgeschichte ist es zwar bekannt, dass die 
Zigeuner mit einer unauslöschlichen Neigung behaftet sind, 
kleine Kinder mit Muttermalen zu stehlen, an denen sie 
meistens im fünften Akt von vornehmen Eltern wiedererkannt 
und requiriert werden. Der Trovatore bringt dies aber viel 
komplizierter und unverständlicher. Ein alter Haushof- 
meister singt gleich anfangs zu einer Mazurkamelodie eine 
Geschichte von ausgesuchter Grässlichkeit, in welche eine 
Zigeunerin samt einigen gestohlenen und verbrannten Kin- 
dern bedenklich verwickelt ist. Die alte Azucena (eine 
Uebersetzung der unausstehlichen Fides ins Zigeunerische) 
eröffnet ihrerseits den zweiten Akt mit einer ähnlichen Er- 
zählung (in traurigem Walzerton) von einem verbrannten 
und nicht assekurierten kleinen Kinde, welches sie nicht 
gestohlen hat, während ein anderes kleines Kind, welches 
sie gestohlen hat, nicht verbrannt ist, oder umgekehrt. Ln 
dritten Akt erscheint wieder der alte Kastellan mit seinem 
riesigen Gedächtnis für Mazurken und gestohlene Kinder und 
erkennt sogleich die alte Zigeunerin i^s eine Person, die 



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- Ö9 - 

ihm in sehr ungehührlichen Verhältnissen zu verbrannten 
und gestohlenen Kindern zu stehen scheint. Sie wird — 
was wir aus musikalischen Gründen nicht missbilligen können 
— zum Scheiterhaufen verurteilt Welcher aber von den 
beiden Rittern, der mit der Tenor- oder der mit der Bariton- 
lage, das gestohlene und verbrannte Kind gewesen, wird 
wohl nie ergründet werden. 



IM LOWENGARTENi) 
von 
PETER CORNELIUS. 

Gedichte. Leipzig, Eahnt Nachf. 1890. 



In Trauer ist heute das ganze Orchester, 

Denn der Meister, seine treue Schar verlässt er. 

Die ersten Geigen 

Die Köpfe neigen 

Und schweigen. 

Die zweiten Violinen 

Sekundieren ihnen 

Mit betäubten Mienen; 



1) Nach dem Theaterskandal, der im Dezember 1858 Cornelius* 
„Barbier von Bagdad" zu Falle brachte, legte LISZT bekanntlich die 
Leitung der Weimarer Oper nieder. Vermutlich war es bei dieser 
Gelegenheit, dass König Franz im „Löwengarten"" noch einmal mit 
seinen Getreuen vom Orchester und Chor beim Mahle sass und Cor- 
nelius den hier abgedruckten Trinkspruch ausbrachte. 



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30 



Die Violen 

Seufzen ganz unverhohlen 

Oder weinen verstohlen. 

Die Violoncelle 

Sununen eine piangendo-Stelle 

Aus einem Trauermarsch- Ritomelle; 

Auch die Contrabässe 

Fühlen auf den Wangen die Blässe, 

In den Augen die Nässe, 

Kurz das ganze Quartett 

Trauert um die Wett'. 

Und auch die Bläser 

Betauen des Löwengartens Sand und Gräser, 

Die beiden Flöten 

Sind in grossen Nöten, 

Das Piccolo 

Ist nimmer froh, 

Den Oboen 

Ist alle Lust entflohen. 

Die Klarinetten 

Sind gefangen in Trauerketten, 

Den beiden Fagotts 

Ist das Herz schwer wie'n Klotz, 

Auch die Männer vom Bleche, 

Fühlen grosse Nervenschwäche, 

Die beiden Trompeten 

Sind ganz betreten. 

Die vier Homer 

Drückt's aufs Herz wie Leichdörner; 

Keine Posaune 

Ist guter Laune, 

Und im Wintergarten sitzt traurig die Tube 

Wie Daniel in der Löwengrube. 



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— 31 — 

Selbst die Pauke, mit umflorten Elöpfeln, 

Fühlt im Aug' ein gewisses Tröpfeln, 

Und das ewig Weibliche, die Harfenistin, 

Schielt aus der Feme traurig nach Liszt hin. 

Der Triangel 

Fühlt Freudenmangel, 

Der edle Tam-Tammer 

Fühlt grossen Jammer, 

Die türkischen Becken 

Fasst panischer Schrecken, 

Und die grosse und kleine Drumm 

Sehen traurig im Kreis herum. 

Auch die Sänger vom Chor 

Tragen ums Herz einen Trauerflor, 

Den ersten Tenoren 

Ging aller gute Humor verloren, 

Und die Tenori secundi 

Klagen wie über das finis mnndi. 

Die Bässe, die ersten, 

Fühlen Schmerz, den schwersten, 

Und gar die tiefen Bässe noch 

Seufzen alle im tiefen „Doch."i) 

Der Calcant macht den Beschluss, 

Er denkt: „'« ist halt eine harte Nuss, 

Dass mich der Max verlassen muss." 

So sitzen Chor und Orchester stumm 

Im Löwengarten um Liszt hemm, 

Wo sie von ihrem Tonkunstfürsten 

Geladen sind zu Bier und Würsten. 

Doch dass dem Meister ein Hoch mau bringe, 

Wird alles guter Dinge; 



1) Das tiefe F Sarastros bei der SteUe: Zur Liebe kann ich dich 
nicht zwingen, Doch geb' ich dir die Freiheit nicht. 



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1 



— 32 — 

Da sieht man die ersten Geigen 

Vom Sitz aufsteigen 

Und ihm sich neigen, 

Da werden die Violini secundi 

Auf einmal wieder ganz jucundi, 

Die Violen machen sich auf die Sohlen 

Und lassen ein volles Glas sich holen; 

Die Violoncelle 

Ermannen sich schnelle 

Und schöpfen noch einen aus Lethes Quelle; 

Die Contrabassisten 

Füllen das Glas für Liszten, 

Da sieht man die Flöten 

Vor Lust erröten. 

Das Piccolo 

Schreit Juhilo, 

Die Oboen 

Jauchzen und halloen, 

Die beiden Fagotte 

Sind gern beim Komplotte, 

Alle Bläser 

Ergreifen die Gläser, 

Die Herren vom Bleche 

Vermehren die Zeche, 

Es ruft die Trompete 

Nach frischem Methe, 

Es rufen die Herren vom Hörn: 

Da capo! Noch einmal von vom! 

Es dröhnt die Tube: 

Noch ein Seidel, Bube! 

Da sieht man mit Staunen 

Den Durst der Posaunen, 

Die türkischen Becken 



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- 33 - 

Lassen sich's schmecken, 

Der Tamm-Tamm 

Saugt wie ein Schwamm, 

Triangel, grand und petit tamhour, 

Alles trinkt mit in der grossen Tour. 

Die Sänger vom Chor 

fleben's Glas empor. 

Da ist zu hören 

Von allen Tenören, 

Von Bass und Bariton 

Ein Jubelton. 

Und Bläser und Streicher 

Und Trommler und Geiger, 

Violen, Violini, 

Oboen und Klarini, 

Triangel und Zinken, 

Zur Rechten, zur Linken, 

Pauke sammt Schlägel und Felle, 

Posaunen und Violoncelle, 

Und Terzflötist und Fagottist, 

Und Klarinettist und Kontrabassist, 

Und jeder Hornist und jeder Chorist, 

Und auch der Kaikant als guter Christ, 

Und was nur vom Chor und Orchester ist, 

Kuft aus einem Munde: „Hoch lebe Liszt!"^ 



^ 



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— 34 



PROPHETISCHER MÜSIK-KALENDER 

von 

HANS VON BÜLOW. 

Briefe, Bd. 3. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1898. 



Bülow schlug im Juli 1859 Richard Pohl und Hans von Bronsart 
vor, einen musikalischen Kladderadatsch - Kalender mit satirischen 
Aufsätzen, musikalischen Parodien, Bildern und Anekdoten herauszu- 
geben. Das Kalendarium sollte „musikalische Prophezeiungen auf jeden 
Tag im Jahr" enthalten — „natürlich lauter Unsinn, doch nur als 
Mantel für Malice". Zur Probe entwarf er den Januar und Februar, 
aus denen hier diejenigen Nummern ausgewählt sind, die auch heute 
noch erheitern und (bis auf wenige) verständlich sind, ohne dass man 
— mit Marie von Bülow zu reden — dem „leichtbeschwingten Schmet- 
terlingsvolk der Einfälle Gewichte von Erläuterungen anzuhängen" 
braucht. Kleine Schreibfehler des Originals sind hier stillschweigend 
verbessert. 

JANUAR. 

1. Kapellmeister Tanbert fasst den Entschloss, dem musi- 
kalischen Fortschritte Rechnung zu tragen und komponiert in- 
folgedessen einen Schluss zur Ouvertüre von Mozarts „Ent- 
führung", womit die erste diesjährige Sinfoniesoir^e der Ber- 
liner Kapelle eingeweiht werden soll. 

2. Gleiche Gelüste zeigen sich in Dresden hei einem 
alten Kapellmeister») der sich jedoch begnügt, seinen Schlaf- 
rock flicken zu lassen. 

3. RellstaJ) wütet gegen die Verirrung der ersten Takte 
von Beethovens C dur-Sinfonie und warnt junge Kompo- 
nisten vor dergleichen Excentricitäten. 

4. Richard Wagner an die Stelle Flotows zum Theater- 
intendanten von Schwerin berufen. Aus Mangel an Müsse 



1) Carl August Krebs (1804— 1880), Hofkapellmeister in Dresden. 



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— 35 — 

ersucht er seinen Vorgänger, die letzten Akte der Nibelungen 
fertig zu komponieren. 

5. An diesem Tage vergisst A. Dreyschock, das Weber- 
sche Konzertstück und Mendelssohns G moll-Konzert zu üben^ 

6. Er ist so bestürzt über diese Nachlässigkeit, dass er 
Weber aus G und Mendelssohn aus F spielt. 

8. Gumbert wird erster Hofkapellmeister, da Taubert in- 
folge seiner destruktiven musikalischen Tendenzen (vide 1. 
Januar) sich nicht länger halten kann. 

9. Er sucht sich aufs neue der Kinderliederlichkeit zu 
ergeben. 

14. An diesem Tage schreiben weder Lassen noch Bron- 
sart einen übermässigen Dreiklang nieder. 

16. Gewandhauskonzert, in welchem David das Joachim- 
sche und Moscheies das Lisztsche Konzert spielen. 

17. Die Schumannianer geben in Opposition zu Berlioz 
eine neue Instrumentationsleere heraus. 

18. Spohr ko(m)p(on)iert seine achte Sinfonie unbe- 
wussterweise noch einmal. 

20. Vorgefallener schlechter Witzeleien halber sieht sich 
Kapellmeister Schindelmeisser^) genötigt, seinen Namen zu 
ändern. Avis ^ Timmortalit^! 

21. Die Konditoren Kölns ersuchen Ferdinand Hiller, eine 
neue Frühlingssinfonie zu schreiben, damit der Eisvorrat noch 
nicht so bald erschöpft werde. 

22. Taubert setzt seine Macbeth-Musik unter den Text 
von Wagners Lohengrin. 

25. In Dresden macht man die Entdeckung, dass Emil 
Naumann nicht der Enkel, sondern vielmehr der Grossvater 
des berühmten alten Naumann ist. 



1) Louis Schindelmeisser, HofkapellmeiBter in Darmstadt, t 1864. 

8* 



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— S6 - 

26. Dom reist nach Weimar, um seinen harten Anschlag 
im Klavierspiel korrigieren zu lassen. 

27. Unterdessen ist jedoch Liszt nach Leipzig gereist, 
um hei Riccius*) im Dirigieren Unterricht zu nehmen. 

29. Anfrage an die Berliner Singakademie : „Wozu 
Grau'n ei-wecken?"^) 

FEBRUAR. 

1. Giacomo hemerkt mit Entsetzen, dass er nicht mehr 
der wahre „Jakoh" der modernen Oper ist. 

2. Der durch den Vortrag des Lisztschen Klavierkonzertes 
(vide Januar) kompromittierte Professor Moscheies soll durch 
Charles Voss am Leipziger Konservatorium ersetzt werden. 

4. Charles Voss hat abgelehnt. Man unterhandelt mit 
Ferdinand Beyer. 

6. Ferdinand Beyer bedauert. Man schreibt an Theodor 
Oesten. 

8. Oesten dankt für Leipzig. Man wendet sich an Fr6d6ric 
Burgmüller. 

9. Das Prager Konservatorium schafEt einen neuen 
Kittel») an. 

11. Fr6deric Burgmüller will nichts wissen. Telegramm 
an Ferdinand BurgmüUer*) in Hamburg. 

12. Adresse des Telegramms unbestellbar. Durch Schuberths 
Gefälligkeit erlangt man die Aufklärung, dass Ferdinand 
Burgmüller eine mythische Person, ein antischottisches*) Ver- 
legerprodukt sei. 



1) August Ferdinand Riccius (1819—86), damals Kapellmeister des 
Leipziger Stadttheaters. 

2) Anspielung auf die alljährlich sich wiederholenden Aufführungen 
von K. H. Grauns Oratorium: „Der Tod Jesu." (Anm. d. Orig.) 

3) Kittl, 20 Jahre lang Direktor des Prager Konservatoriums. (Anm. 
d. Orig.) 

4) Frödöric und Ferdinand Burgmüller, Komponisten seichter Kla- 
vierstücke ; des ersteren Verleger war Schott in Mainz. 



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— 37 — 

18. Der Hansmusiker Eiehl kauft sich einen Leierkasten 
und avanciert znm Hof mnsiker. 

18. Taubert exiliert sich nach der Schweiz in der HofEnung, 
auf diesem Wege noch ein heilihmter Opemkomponist zu 
werden. 

19. Die Leipziger Klavierschule droht einzugehen. Da 
erklärt sich Herr Pfundt») bereit, die Leitung weiter zu 
übernehmen. 

20. Erscheinen des hundertsiebenundachtzigsten Trios 
von Reissiger. 

25. In München neu einstudiert : Die schnelle Katharine 
von Comaro. — Musik von Lach'nur! 

26. Gumbert fragt „die Sterne, ob sie ihn lieben?" Ant- 
wort: Roter Adlerorden vierter Klasse. 

27. D6r Dräsner Dohnginstlerfrein vierd beide Mohzard's 
Särenahde auhf. 

29. Fr. Wieck schimpft an diesem Tage nicht über 
Weimar. Gerechte Besorgnis der Familie. — etc. 



1) D^r berühnite Pauker 4es Leipziger Gewandhf^^sorQl^QatQrSt 



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38 



WIDMÜNGSVERSE 

von 
BICHARD WAGNER. 



Mit den nachstehenden Versen widmete Wagner 1873 dem ihm da- 
mals noch treu anhängenden Friedrich Nietzsche ein Exemplar seiner 
Oesammelten Schriften. Vgl. Elis. Förster-Nietzsche, Das Leben Fried- 
rich Nietzsche's. ü, i. Leipz. 1897. 

Was ich, mit Not gesammelt, 
Neun Bänden eingerammelt, 
was darin spricht und stammelt, 
was geht, steht oder bammelt, — 

Schwert, Stock und Pritzsche, 
kurz, was im Verlag von Fritzsche 
schref, lärm* oder quietzsche, 
das schenk' ich meinem Nietzsche, — 
wÄr's ihm zu 'was nütze! 
Baireuth. Richard Wagner. 

AUcÄseelentag 1873. 



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39 — 



Aus dem „FALL WAGNER« 

von 

FRIEDRICH NIETZSCHE. 

Leipzig, C. O. Naumann 1896. 



Wagner hat über nichts so tief wie ttber die Erlösung 
nachgedacht: seine Oper ist die Oper der Erlösung. — Irgend 
wer will bei ihm immer erlöst sein : bald ein Männlein, bald 
ein Fräulein — dies ist sein Problem. — Und wie reich er 
sein Leitmotiv variiert! Welche seltenen, welche tiefsinnigen 
Ausweichungen! Wer lehrte es uns, wenn nicht Wagner, 
dass die Unschuld mit Vorliebe interessante Sünder erlöst? 
(der Fall im Tannhäuser). Oder dass selbst der ewige Jude 
erlöst wird, sesshaft wird, wenn er sich verheiratet? (der 
Fall im Fliegenden Holländer). Oder dass alte verdorbene 
Frauenzimmer es vorziehen, von keuschen Jünglingen erlöst 
zu werden? (der Fall Kundry). Oder dass junge Hysterische 
am liebsten durch ihren Arzt erlöst werden? (der Fall im 
Lohengrin). Oder dass schöne Mädchen am liebsten durch 
einen Ritter erlöst werden, der Wagnerianer ist? (der Fall 
in den Meistersingern). Oder dass auch verheiratete Frauen 
gerne durch einen Ritter erlöst werden? (der Fall Isoldens)« 
Oder dass „der alte Gott", nachdem er sich moralisch in 
jedem Betracht kompromittiert hat, endlich durch einen Frei- 
geist und Immoralisten erlöst wird? (Der Fall im „Ring")» 
Bewundem Sie in Sonderheit diesen letzten Tiefsinn! Ver- 
stehn Sie ihn? Ich — hüte mich, ihn zu verstehn . . . Dass 
man noch andre Lehren aus den genannten Werken ziehen 
kann, möchte ich eher beweisen als bestreiten. Dass man 
durch ein Wagnerisches Ballet zur Verzweiflung gebracht 
werden kann — und zur Tugend! (nochmals der F^Ul Tann- 



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— 40 — 

hänser). Dass es yon den schlimmsten Folgen sein kann, 
wenn man nicht zur rechten Zeit zn Bett geht (nochmals 
der Fall Lohengrin). Dass man nie zu genau wissen soll, 
mit wem man sich eigentlich verheiratet (zum drittenmal 
der Fall Lohengrins). — Tristan und Isolde verherrlichen 
den voUkommnen Ehegatten, der, in einem gewissen Falle, 
nur Eine Frage hat: „aher warum haht ihr mir das nicht 
eher gesagt? Nichts einfacher als das!" Antwort: 

„Das kann ich dir nicht sagen; 
und was du fragst, 

das kannst du nie erfahren." 
Der Lohengrin enthält eine feierliche In-Acht-Erklärung 
des Forschens und Fragens. Wagner vertritt damit den 
christlichen Begriff „du sollst und musst glauben." Es ist 
ein Verbrechen am Höchsten, am Heiligsten, wissenschaftlich 
zu sein . . . Der fliegende Holländer predigt die erhabene 
Lehre, dass das Weib auch den ünstätesten festmacht, 
Wagnerisch geredet, „erlöst". Hier gestatten wir uns eine 
Frage. Gesetzt nämlich, dies wäre wahr, wäre es damit 
auch schon wünschenswert? — Was wird aus dem „ewigen 
Juden", den ein Weib anbetet und festmacht? Er hört 
bloss auf, ewig zu sein; er verheiratet sich, er geht uns 
nichts mehr an. — Ins Wirkliche übersetzt: die Gefahr der 
Künstler, der Genies — und das sind ja die „ewigen Juden" 

— liegt im Weibe: die anbetenden Weiber sind ihr Ver- 
derb. Fast keiner hat Charakter genug, um nicht verdorben 

— „erlöst" zu werden, wenn er sich als Gott behandelt 
fühlt: — er kondescendiert alsbald zum Weibe. 



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— 41 — 



TRISTAN UND ISOLDE 

von 
JULIUS STETTENHEIM. 

Aus den Berliner Wespen 1876. 



Vor Dem Opernhaus. 
Publikum, von Billethändlera übers Ohr gehauen. 
Wie man uns festspielbauernfängt ! 
Ist es nicht zum Erbarmen? 
Zu Tristan und Isolde drängt 
Doch Alles! Ach, wir Armen! 

Verein Berliner Künstler. 

Wir hätten gern gebaut ein stattlich Haus, 
Doch will der Wunsch sich nicht in That verwandeln, 
Für Wagner rückt man Tausende heraus. 
Wir müssen betteln und mit Loosen handeln. 

Menschenkenner. 

Wer zu den Menschen kommt im Frack, 
Bringt niemals sie aus ihrer Ruhe, 
Behandelt sie jedoch wie Pack, 
Gleich kommen sie und wichsen euch die Schuhe. 

Laie. 

Ich bin kein Kenner und ich will 

Von der Musik nur Freude und Vergnügen, 

Bezaubert sie mich nicht, so bin ich still. 

Rufe von allen Seiten. 

Sie werden h^ut 4ie schönsten Keile kriegten! 



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— 42 — 

DER Jude. 

Andächtig hör* ich heut im Opernhaus, 
Die Oper Wagners mir wie jeder Christ an: 
Wirft vom man mich zum Lohengrin hinaus, 
So komm' ich hinten wieder 'rein in Tristan. 

Muckenich. 

Parterre: Vier Mark. Jedoch für zwei Mark bloss 
Kann ick 'nen Platz für andre Opern koofen, 
Da sieht man's: Wagner is noch 'mal so jross 
Als wie znm Beispiel Mozart und Beethoven. 



^ 



SPITZEN-GARNITUR. 



Fünf Stunden mich ergeben 
In euren Meistergesang? 
Verzeiht! Kurz ist das Leben, 
Und diese Kunst — zu lang. 

PAUL HEYSE, Spruchbüchlein. 



Keine Musik für Spieluhren passender wie die Wagnersche : 
in kleinen Dosen macht sie sich am besten. 



Wagner gleicht Beethoven ? — Mit Verlaub, 
Ein Unterschied bleibt, ein schwerer: 
Bei Beethoven war der Musiker taub, 
Bei Wagner werden's die Hörer. 

OSKAR BI^UMENTHMi, 



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— 43 — 

Hat einer den Opem-Unsinn yemichtet — 
Dran that er recht. 

Doch hat er selbst Festspiele gedichtet — 
Und das war schlecht! 

BAUERNFELD. 

. . . Siegfried naht ; ihm wird von Gutrune der Trank des 
Vergessens gereicht, der Brünhilds Erinnerung aus seiner 
Seele tilgt Brtinhilde kann er vergessen, aber leider nicht 
das einzige Lied, das er auf dem Hom gelernt hat, und das 
jedesmal erklingt, wenn er persönlich oder geistig der Hand- 
lung naht. 

. . . Das Pferd Grane ist ebenfalls schon der Gegenstand 
der öffentlichen Aufmerksamkeit geworden; es ist über das- 
selbe mehr geschrieben, als über manchen talentvollen Künst- 
ler, als über manchen bedeutenden Gelehrten. Nun haben 
wir es endlich gesehen, dieses gute Pferd ; militärfromm wie 
ein Lamm, traurig wie ein ausrangiertes Generalpferd, das 
das Gnadenbrot frisst und nun der Leiche seines Herrn folgt. 
Und dieses gute Tier wird mit dem wilden Rufe, mit den 
unbändigen Trillern der Walküre angejauchzt: 

Ho j toho ! Ho j toho ! 

Heiaha ! Heiaha ! 

Hahei! Hahei! Heiaha! 
Es klingt angesichts dieses braven Tieres wie der reine 
Hohn. Wir sind nach Bayreuth gekommen, um endlich ein- 
mal ein „Hojotohoh-Pferd" zu sehen. Und was haben wir 
gesehen? Das richtige Hottehüh-Pferd ! 

PAUL LINDAU, Nüchterne Briefe 
aus Bayreuth. Breslau 1876. 



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— 44 — 



DARF I GEIG'NA? 

von 

JULIUS BAUER. 

Nach den „Signalen für die musikalische Welt." 

Parodie auf das bekannte Lied „Darf i 's Diandl liab'n?" 

Johann Strauss zu Ehren gesungen. 



Heut' vor fünfzig Lenzen 

Schanis Augen glänzen: 

„Muatta, darf i geig*na?" 

„Untersteh' di nit vor'm Vater Strauss — 
Wann du geig'na willst, thu's ausser'm Haus!" 

Schani voll Verlanga 

Is zum Lanner ganga: 

„Sag'n S\ darf i geig'na?" 

„Schau, dass d' weiterkummst, du dummer Bua 
I hab' eh' schon an deinem Alten gnua!" 

Strauss war jetzt in Nöten, 

Hat sein Vater'n 'beten: 

„Vater, darf i geig'na?" 

„Dummer Schlankel" schreit er in sein Zürn, 
„Willst mein' Stecken kosten, so kannst es thum." 

Wusst nix anzufanga — 

Is zum Herrgott ganga: 

„Herrgott, darf i geig'na?" 

„Ei, ja freili," sagt er und hat g'lacht, 
„Z'weg'n die Sträusse hab' i d' Geig'n g'macht!" 



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- 45 — 



IMPROMPTU 

von 

OTTO SOMMERSTORFF. 



Wettn ich ein Vöglein war', 
Hätte zwei Flügelein, 

Flog' ich zu dir. 
Wäre ich Rubinstein, 
Hätt' nur ein Flügelein, 

Spielt' ich Klavier. 



KUTSCHER UND SANGER 

von 

OSKAR BLUMENTHAL. 

Von der Bank der Spötter. Berlin, Freund & Jeckel 1884. 



Das ist ein Glücksfall, ein rarer! 
Wie wenigen wohl geläng' er? 
Zuerst ein singender Fahrer — 
Und nun ein fahrender Sänger! 



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— 46 — 



KOMPONISTEN, VIRTUOSEN, KONZERTE, 



DIE MUSIKANTEN UND IHRE RASSEN 

von 
R. KIETSCHKE. 

Aus der Neuen Musikzeitung 1882. [Auszug.] 



Das Musikantenreich zerfällt in sieben Rassen mit ihren 
verschiedenen Gattungen und Unterabteilungen und bietet 
die eigentümliche Erscheinung, dass die Gattung Männchen 
hei weitem häufiger ist als die der Weibchen, weshalb letztere 
auch sehr gesucht und geliebt werden. 

Die Namen der Rassen sind : 

1. Komponierer; 2. Dirigierer ; 3. Klavierer; 4. Streicher; 
5. Holzbläser; 6. Blechbläser und 7. Schläger. 

Rasse 3. Klavierer. — Diese Rasse ist wuchernd wie 
Unkraut und Schlingpflanzen. Die gütige Natur scheint ihnen 
eine natürliche Uniform verliehen zu haben: alle tragen 
glattes, langes Haar, dessen Zipfel modemer Weise nach vom 
hängen, um während der Pause hinters Ohr gestrichen zu 
werden. Finger sehr lang, Fussspitzen aufwärts gebogen vom 
unablässigen Pedaltreten. Leben : in Salons Frack und Glac6- 
Handschidie, Thee stark mit Rum; Charakter: Du lieber Gott! 
Lieblingstonart: Des dur. 

Rasse 4. Streicher. — Im allgemeinen ist diese Rasse 
etwas zurückhaltender, als die vorige, da ihre Majorität 



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— 47 — 

meistens im Orchester beschäftigt ist, weshalb sie auch weit 
praktischer denken. An der linken Hand des Geigenstreichers 
sind die Nägel abgekaut ; helle Westen mit offenem Schnitt, 
heruntergeklappte Vatermörder. In ihrer linken Rocktasche 
ist häufig ein brillantes seidenes Taschentuch zu finden, um 
Finger und Saiten zu putzen und abzutrocknen. Die Geigen- 
streicher sind meist fein im Umgangston, haben etwas Be- 
scheidenes, aber auch Bestimmtes in ihrem Wesen. Selten 
korpulent. 

Die Bratschen Streicher sind Sonderlinge, etwas kritisch 
und mehr schweigsam als gesprächig. Die seidenen Taschen- 
tücher hören hier schon wieder auf, weil Solovorträge nicht 
vorkommen, und im Orchester thun's bunte baumwollene 
auch. Sie nähren zu Fagottbläsem eine geheime, innige 
aber unausgesprochene Sympathie. 

Die Violoncellisten haben Empfindung, Elegie, Noblesse, 
Rahe. Um den geschlossen gehaltenen Mund zeigt sich beim 
Solospieleu ein gewisser edler Zug; ihr Bart ist glatt und 
sauber gehalten. Ueberhaupt hat das Cello Einfluss auf seinen 
Mann. Die Cellisten fassen meist subjektiv auf, sind bescheiden 
und selbstbewusst. Dunkle Weste und saubere Manschetten. 

Die Kontrabass-Streicher sind meistenteils gross, musku- 
lös, Säulenhaft, statuenartig gewachsen. Ihre Fäuste sind er- 
schrecklich schlicht, aber dauerhaft. Kleidung u. a.: Rock, 
Stiefel und Handschuhe. Sie sind charakterfest und geradezu 
eifersüchtig auf Tubas, sie streichen nicht viel, aber langsam, 
fest und derb. Sie schnupfen stark und zwar mit dem 
Cellisten aus einer Dose. Ihr Händedruck ist eine Erinnerung 
aus der letzten Scene des Don Juan, dem Gouverneur ent- 
lehnt. Sie fühlen sich als Stütze des Orchesters, reden aber 
nicht darüber, jedoch sagen sie dem Dirigenten unumwunden 
eine Grobheit, weil sie wohl wissen, er muss sie zu Freunden 
haben. 



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- 48 - 

Die ganze Reihe der Streicher trägt in einer rechten 
Tasche ein Stück Kolophonium. 

Rasse 6. Blechbläser. — Sie sind untersetzter Natur, 
ziemlich kräftig gebaut, ohne geistige Schönheit, mehr fleischig 
als knochig, haben alle einen Hang zum SichgeheDlassen. Sie 
trinken viel Bier, schieben Kegel, rauchen und schnupfen 
sehr stark. 

Die Hornisten sind noch am tieffühl endsten, schwärmen 
für das Naturhoni, blasen jedoch lieber auf dem Ventilhom 
schimpfen durchgängig auf die neuen Komponisten, weil sie 
die Homer so schwierig setzen, haben beim Solo regelmässig 
keinen Ansatz, schütteln dann beim Äüsslingen selbst kriti- 
sierend mit dem Kopfe und drücken gleich den andern Blas- 
rassen beim Blasen die Augen zusammen. 

Rasse 7. Schläger. — Diese Rasse sieht am nichts- 
sagendsten aus, den Paukenschläger ausgenommen, der stets 
einen gutgepflegten kleinen Schnurrbart und grosse Intelli- 
genz besitzt und es liebt, dass man ihm zusieht beim Pauken. 
Meyerbeer und Berlioz schätzt er wegen ihrer Pauken-Ideen 
und seine Felle liebt er wie Kinder. Die vielen Umstim- 
mungen sind ein geheimer Gram für alle Pauker. Die Pauker 
sind vielleicht die mit dem grössten Unrecht verkannten 
Musiker; es giebt wenig Klavierer, die mit so viel Seele 
pauken, wie die Pauker. 



?^ 



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- 49 - 



DIE PAUKE 

von 

GUSTAV FKEYTAG. 

Aus: Soll und Haben. Bd i. Leipzig, S. Hirzel. 



„Treiben Sie Musik?" frag Rosalie. 

„Eanm darf ich das zugeben," erwiederte Fink verbind- 
lich. „Ich klimpere ein wenig auf dem Flügel hemm, und 
wenn ich zu singen versuche, meide ich Menschenwohnungen. 
Aber ich stehe zur Musik in dem Verhältnis eines unglück- 
lichen Liebhabers. Ich habe ein Instrument, das ich schwär- 
merisch verehre, und ich würde viel daram geben, wenn ich 
imstand/ß wäre dasselbe mit Meisterschaft zu spielen." 

„Die Violine?" frag Rosalie. 

„Vergebung, die Pauke. Ich frage Sie, was heisst spielen 
auf den anderen Instrumenten? Es ist ein ewiges unruhiges 
Umherrasen von der Höhe zur Tiefe und wieder umgekehrt, 
eine ungemütliche Anstrengung in allen möglichen Schnellig- 
keiten, Triolen, Trillern, Tremolos und wie die Quälereien 
alle heissen. Nur selten erscheint eine lange, dicke, ruhige 
Note, ein solider Ton, welcher aushallt und nicht von der 
nächsten Note seinen Fusstritt bekommt. Nehmen Sie da- 
gegen den Ton der Pauke. Welche Kraft, welche Feierlich- 
keit und welche Wirkung! Und erst der Glückliche, dem 
ein solches Instrument anvertraut wird ! Man sagt den übrigen 
Virtuosen nach, dass sie reizbar und empfindlich sind, der 
Pauker wird ein Held, ein grosser Charakter, er bekommt 
eine Weltanschauung, wie sie nur auf dem erhabensten 
Standpunkt möglich ist Er pausiert, dreissig, fünfzig Takte, 
unterdess rennt und quiekt das Volk der übrigen Töne durch- 
einander, wie die Mäuse, wenn die Katie nicht zu Hause 

4 



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-^ 6ö - 

ist. Er allein steht in einsamer Grösse, scheinbar mit nichts 
beschäftigt, er nimmt vielleicht eine Prise oder sucht sich 
lächelnd die schönsten Damen im Zuhörerraum. Aber inner- 
lich denkt er: 27, wartet nur, ihr ruppiges Notengesindel, 
28, ich werde euch sogleich eins auf den Kopf geben, 29, 
diese Geige wird naseweis, 30, bum ! er schlägt auf, und die 
andern Instrumente fahren aufgeregt zusammen, sie fühlen 
die Sprache ihres Herrn und Meisters, und alle Zuhörer 
atmen tief auf, dass grosse Wort ist gesprochen." 



4^ 



KOMPONISTENLEIDEN 

von 

FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY. 

Gelegentlich eines Maskenscherzes 1826 entstanden. Vgl. „Ueber Land 
und Meer" 1873, Nr. 36. 



Schreibt der Komponiste ernst. 
Schläfert er uns ein; 
Schreibt der Komponiste froh, 
Ist er zu gemein; 
Schreibt der Komponiste lang, 
Ist es zum Erbarmen; 
Schreibt der Komponiste kurz, 
Kann man nicht erwarmen. 
Schreibt ein Komponiste klar, 
Ist's ein armer Tropf; 



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- 61 - 

Schreibt ein Komponiste tief, 
Bappelt's ihm im Kopf. 
Schreib' er also, wie er will, 
Keinem steht es an; 
Darum schreib' ein Komponist 
Wie er will und kann. 



^ 



DIE SEESTADT LEIPZIG UND DIE OCEAN-SINPONIE 

von 
ANTON RUBINSTEIN. 

La Mara, Briefe hervorragender Zeitgenossen an Franz Liszt. Bd i. 
Leipzig: Breitkopf & H&rtel 1895. — Original französisch. 



Den 16. November 1864. 

Ich komme ans dem Gewandhaus, wo meine Sinfonie ge- 
gespielt wurde — ich Hess Rietz dirigiren ... er und David, 
die hervorragendsten Orchestermitglieder, ja sogar mehrere 
hiesige Komponisten, die in der Probe waren, sagten mir 
einen grossen Erfolg voraus . . . 

Endlich wird angefangen — der erste Satz wird gut 
gespielt, und es wird geklatscht; der zweite geht ausge- 
zeichnet, es wird stärker geklatscht ; der dritte ist eine Wunder- 
leistung, es wird sehr wenig geklatscht; beim letzten macht 
das Orchester dummes Zeug, keine Hand rührt sich. — 

Ich weiss also nicht, ob es ein Fiasko ist, oder ob das 
Leipziger Publikum mir die Ehre anthut, mich nicht zu 
ventehen . . . 



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— 69 — 

Beim Anhören meiner Sinfonie kreuzten sich in meinem 
Hirn tausend Gedanken, einer immer kurioser als der andere; 
hier einige Proben: 

Zwiegespräch zwischen dem Publikum und der Sinfonie: 
Publikum: Ocean, du Ungeheuer! wie wässerig bist du! 
Sinfonie: Publikum, du musikalische Einkommensteuer, 

wie ledern bist du! 
Publikum: Symphonie, que me veux-tu? 
Sinfonie: Te prouver que ton Leipzig est un faux nidJ) 
Publikum: Honni soit qui mal y pense! 
Sinfonie: B6ni soit qui vertement te tance!^) 
Ein Italiener: Che porcheria musicale! 
Der Komponist (bei Seite) : Se non ^ vero, h ben trovato .... 
Sinfonie (zum Publikum): To be or not to be? 

Das Publikum vertagt die Frage. 
Sinfonie: E pur si muove ! ! ! — 

etc. etc. etc. 



1) un faux nid reimt mit Symphonie. 

2) wer dich derb heruutermaäit. 



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— 68 -- 



VORCHRISTLICHE KONZERTPOLIZEI 

von 
HANS VON BÜLOW. 

Aus der Hamburger Musikzeituug 1890. 



Kennen Sie das Buch Jesus Sirach? 

Nur dem Titel nach. 

Wieso? Besitzen Sie keine Bibel? 

Welche Frage! Natürlich. 

Hm! Welche Ausgabe aber, wenn ich fragen darf? 

Die der Basler Bibelgesellschaft. 
Dann freilich ist Ihre Unwissenheit erklärlich. Diese 
anglisierten Basler Orthodoxtails sind ja die prämmiierbarsten 
Pharisäer. Und dabei schmähen sie noch die „Intoleranz" 
der katholischen Kirche, welche die „Bücher, so man Apo- 
kryphos nennt" doch wenigstens als kanonische zweiter Güte, 
als deuterokanonische konzessioniert. Da gebe ich Ihnen den 
Rat, erwerben Sie eine „ganze" Bibel (die Basler Ausgabe 
nennt sich allerdings unverfrorener Weise ebenfalls die „ganze 
heilige Schrift"), z. B. Halle, v. Cansteinsche Bibelanstalt, 
und lesen Sie, beherzigen, behimigen Sie das Buch Sirach. 
Ein altes Testament ohne Sirach kommt mir vor, wie etwa 
die „Profan-Bibel", so man Göthes Faust bisweilen nennt, 
in der Otto Devrientschen Beschneidung. Wem fällt da 
nicht Heinrich Heines Lamentation in den Lobgesängen auf 
König Ludwig I. von Bayern mit dem Ypsilon (von wegen 
der Erinnerung an die selige Exilenz Köni^ Ottos von 
Griechenland) bei? 



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— 64 — 

„Nnr Lnther, der Dickkopf, fehlt in Walhall! 

Und es feiert ihn nicht der Walhall- Wisch; 

In Natnraliensammlnngen fehlt 

Oft nnter den Fischen der Wallfisch." 
Um nnn zu unserem, d. h. leider noch nicht unserem, 
sondern vorläufig erst hlos meinem Sirach zurückzukommen, 
der eigentlich Jesus, Sohn Sirachs hiess und gegen 180 vor 
unserer Zeitrechnung seine Weisheitsprüche hehräisch nieder- 
schrieh, welche bald darauf ins Griechische übersetzt wurden 

— das Nähere finden Sie in Dr. Hugo Eiemanns Musiklexikon 

— pardon! — ich wollte sagen in jedem Brockhaus, Meyer, 
Pierer — so empfehle ich Ihnen dringendst täglich ein Kapitel 
aus diesem goldnen Buche zum geistigen Morgentrunk. Wenn 
Sie meiner Empfehlung Ihr wertes Vertrauen sofort schenken, 
so werden Sie ungefähr zu des Märzen Iden auf Kapitel 32 
gelangen, in welchem Vers 5 und 6 (nach anderer Einteilung 
45 und 46) folgender 

Avis au public! 
zu lesen ist: 

5. Irre die Spielleute nicht! 

6. Und wenn man Lieder singt, so wasche nicht darein; 
und spare deine Weisheit bis zu anderer Zeit! 

Ist diese Mahnung etwa veraltet? Zweitausend und 
achtzig Jahr alt und leider noch denkbar zeitgemäss. Der 
bekannte Geiger und „Konzertdirektor" John Ella in London 
(geb. 1802, vor wenigen Jahren verstorben) pflegte an die 
Spitze der Progamme seiner Musical Union mit einer augen- 
fälligen Vignette geschmückt die italienischen Worte zu 
setzen: n piü grande omaggio allamusica stä nel silenzio.^) 
Durch diese Beharrlichkeit gelang es ihm allmählich, die ge- 
sellschaftlich (aber nicht künstlerisch) wohlerzogenen Abon- 



l) Die hÖQljste Huldigung für die Mus|k ist Schweigen, 



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- 66 — 

nenten ans der ihn begünstigenden Aristokratie anoh sn 
akustischem Anstände zu erziehen. 

Mit der Befolgung des zweiten Gebots — die Vokal- 
musik betreffend — hatte er natürlich weit geringere Schwierig- 
keiten zu besiegen, namentlich dann nicht, wenn ein „ausge- 
schnittener" Sopran auf dem Podium erschien. Giebt es ja 
aller Orten noch heute Parkettplatzinhaber, die sich z. B. 
während eines „Ballets" weit ruhiger verhalten als in der 
„Oper" (namentlich einer klassischen) und Gleiches sogar 
von ihren Nachbarn verlangen. Hingegen beim ersten, dem 
zum Schutze der Instrumentalmusik erlassenen Gebote, war 
nicht leicht durchzudringen. „Irre die Spielleute nicht!" Mit 
wie vielerlei Torturen kann man nicht so einen armen „Spiel- 
mann" irren ! Der Sänger hat's im Konzerte so viel besser : 
er hat sein Notenblatt vor Augen und er hat nicht zu 
„schwitzen". Wenn dem Spielmann jedoch das Wasser vom 
Haupte träufelnd die Augen, die Nase kitzelt, schliesslich 
sogar die Saiten oder Tasten glitschrig macht, gerät Kopf 
und Hand leicht in Gefahr, den Kompass zu verlieren. Ist 
er femer nicht in der Lage, die Augen schliessen oder den 
ganzen Körper nach Umständen seitwärts wenden zu können, 
so hat er gegen eines der sinnverwirrendsten Phänomene 
einen wahrhaft erschöpfenden Kampf zu bestehen: gegen 
die gedankenlose (freudlos und leidlos, gedankenlos sein) 
Fächersprache der Damen, welche im Klavierkonzertsaale 
doch stets die überwiegende Mehrzahl bilden. Es giebt 
ebensoviele Sorten von Fächern als Fächerwedlerinnen. Wie 
nicht jede Nähmaschine eine „Elias Howe", so ist nicht 
jeder Fächer geräuschlos. Aber nicht der rauschende, klap- 
pernde Fächer — der von einer musikalisch feinfühligeren 
Nachbarin gelegentlich vermittelst Zuflüstern zum Schweigen 
gebracht wird — ist der gefährlichste. Für meine Wenig- 
](eit ist es der schreiend bunte, der dnr^h die LichtreflexQ 



HARVARD UNIVERSITY 
CDA KUHN LOEB MUSIC LIBRARY 
CAMBRIDGE 38. MASS. , 

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— 66 — 

zu kaleidofl^opischem flackernd flammend flatternd flimmern- 
dem Flitterglanze in der Hand seiner mehr oder minder 
koketten und ihren Gähnkrampf ersticken wollenden Be- 
sitzerin belebte, welcher, namentlich wenn die Bewegung in 
der Lieblingstaktart einer berühmten Primadonna: Vis diri- 
giert wird, die bestregulierten Spielmannsintentionen zum 
Scheitern zu bringen vermag. Ja dieses „unglückselige Fächer- 
spiel" hat mich vor einigen Abenden hier in der Singakademie 
beim Vortrage der fünf letzten Beethovenschen Sonaten zwei- 
mal nahezu aus dem Konzepte gebracht, im ersten und zweiten 
Satze von Op. 101 und wieder im ersten von Op. 106. Das vor- 
malige Pr. Hoflakaienblatt, die Neue Pr. Zeitung hat also 
nicht geflunkert, wenn sie mir meine zwar recht bescheidenen 
aber immerhin für den Kenner allzubemerklichen „lapsus" 
(mehr „digitorum" als „memoriae") moniert, und es ge- 
währt mir keinen Trost, zu bedenken, dass mir diese Rüge 
von einem Organe erteilt wurde, von dem des Reichskanzlers 
Durchlaucht am 9. Februar 1876 im Reichstage behauptete, 
dass „jeder, der es hält und bezahlt, sich indirekt an der 
Lüge und Verleumdung, die darin gemacht wird, beteiligt." 
Hier lag eben leider keine Lüge, keine Verleumdung vor. 
Aber nicht „Altersschwäche" des Spielmanns — alte Kreuz- 
otter — trug die Schuld, sondern die verwünschte Fächelei 
der Zu- und Weghörerinnen. Dieselbe würde mich sogar 
beim Vortrage der ersten fünf Sonaten von Clement! oder 
Diabelli nervös gemacht, vom Pfade der Korrektheit abge- 
lenkt haben. Mit dieser Ergänzung zu der citierten Weis- 
heit Jesus Sirachs, hofft sich ein kleines Verdienst um seine 
jüngeren Kollegen (Leidensgefährten) erworben zu haben 
Berlin, ult. Januar 1890. 

HANS von BÜLOW. 



« 



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— 67 — 



IM KONZERTSAAL 

von 

WILHELM JORDAN. 

Einem Nachäifer des genialen Bülow. 1861. 
Letzte Lieder, Frankfurt a. M. 1892. 



Seufzend mnsst' ich jüngst gedenken, 
Wie einst Felix Mendelssohnes 
Anmutvoll bewegtes Stäbchen 
Zanberqnell schien jeden Tones. 

Wie so rnhevoll den Künstlern 
Er durch uns verborgene Zeichen 
Seine Seele gab, dem Stücke 
Klare Schönheit ohnegleichen. 

So modern sein Scepter neulich 
Schwang ein Leiter der Konzerte, 
Dass der Anblick uns die Ohren 
Für die Lauscherandacht sperrte. 

Denn weit minder mit dem Taktstock 
Wirkt* er des Orchesters Lenkung, 
Als mit seines ganzen Leibes 
Kautschukmännischer Verrenkung. 

Wunder nahm's, dass nicht minütlich 
Er das Schweisstuch aus dem Sack riss, 
Dass bei solchem Tumgezappel 
^ei4e Naht v^ seinem frack r^sst 



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— 68 — 

Ati8 den Aenneln in die Logen 
Rechts und links zn fliegen drohte 
Je ein Arm, wenn Becken, Panke 
Schmettern sollten ihre Note. 

Wenn es galt ein Flüsterpiano, 
Schien er mit gespreizten Fingern 
Wehrend, in die Kniee knickend, 
Sich zum Zwerge zu verringern. 

Dann, Fortissimos entfesselnd, 
Reckt' er ängstlich hoch die Pranken, 
Fast als wuchtet' er herkulisch 
Auf der Sintflut Schlensenplanken. 

Kurz, er that, als oh er alles 
Mit grotesker Sinnhild- Geste, 
Statt aus Instrumenten, magisch 
Aus dem eig'nen Leihe presste. 

Schufen uns're grossen Meister 
Ihre Suiten, Ouvertüren, 
Um ein Satyr-Monodrämchen 
Vor dem Leitpult aufzuführen? 

Wähnt er, dass es gut ihm stehe, 
Wenn auch noch so wenig zieme, 
Symphonien zu hegleiten 
Mit 'ner Solo-Pantomime? 

Deckt' er sich doch unsem Blicken 
Künftig zu mit dichten Floren, 
Um uns edle Ohren weide 
Nicht mit Augenpein zu stören! 



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— 69 — 



VOKAL- UND INSTRUMENTAL-WETTRENNEN ZUR 
BERLINER KONZERT-SAISON 

von 
RICHARD SCHMIDT-CABANIS. 

Ans : Hnmoristisch-satirischer Krimskrams. Berlin, Freand & Jeckel 
1896. [Anszng.] 



HOPPESAAL, November. 

Das Berliner Vokal- und Instrumental -Winter-Meeting 
ist kürzlich in wahrhaft glänzender Weise eröffnet worden 
Die Posaune hat nicht vergeblich — zum ersten Male heuer 
— im musikalischen Newmarket zum Start gerufen; Sattel- 
parkett und Tribünen wären von einem ebenso zahlreichen 
wie verständnisvollen Publikum überfüllt, am Schlagbaum er- 
schien für jedes Rennen zahlreiches, treffliches Material, und 
es standen den „Unternehmern" Preise von 50 Pf. bis 
10 Mark (k Person) zur Verfügung. 

Das hochinteressante Programm wickelte sich in seinen 
Hauptnummem wie folgt ab: 

1. Eröffnungsrennen zweijähriger Wunder-Pianisten. 

(„Kindertrost-Rennen.") 
27 zweijährige Virtuosen in Pumphöschen gemeldet; 
zwei krochen vor Konzertbeginn aus zwingenden Gründen 
zurück und zahlten das volle Entree als Reugeld. Herrn 
Paukmeiers blonder ,,Erail", der nicht ohne Aussicht auf Er- 
folg startete, wurde im Rennen durch den Outsider „Federigo 
Fingeradi", welcher beim dritten Akkord vom Sessel stürzte, 
aufgehalten und konnte nicht mehr früh genug ins Treffen 
geworfen werden. Den Sieg errang Herrn Elimperbergs 
ßc^hwan^brauner „Josaphat", der Yoni Sts^ i^i i^ zw^it^r 



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— 60 — 

klayierte, dann vom siebenten Takte an die Führung nahm 
nnd nach 43 Minuten 17 Sekunden mit wehendem Mietszettel 
durchs Ziel stürmte. 

5. Vergleichs-Jagdblasen 

für Holz- und Blech-Instrumente. 

Von den startenden 23 Klappentrompetem, 9 Wald- 
homisten, 5 Flöten-, 17 Posaunen- und 3 Fagottbläsem 
mussten kurz vor Beginn des „Rennens" die drei letztge- 
nannten auf Grund zweier Lungen-Emphyseme und eines 
hochgradig entwickelten Asthmas von der KonkuiTenz zurück- 
treten. Da Herrn Pausbacks Klappentrompeter „Schmetter- 
ling" ebenfalls nicht startete, war die Luft für jeden anderen 
Bläser frei, und es musste nach früher gezeigter Form der 
Posaunist „Bombardonjuan" die besten Aussichten auf den 
Sieg haben. Trotzdem wandte sich ihm die Gunst der Wetter- 
Majorität nicht zu, so dass er seinen Anhängern nur noch 
über drei Odds pusten konnte. Der fünfzigjährige Flöten- 
hengst „Trillerfips" verlor kurz vor dem Ziel drei Atem- 
längen und gelangte als zweiter zum Pfosten. 

6. Symphonieple-chase mit Hindernissen. 

Grosses Orchester-Rennen. 
Gemeldet: 8 Kapellen, ^on denen eine wegen ander- 
weitiger Spielschulden vom Wettbewerb zurücktrat. Die 
erste bis siebente Beethovensche Symphonie wurden 
von dem gesamten Felde mit Schick und Leichtigkeit genommen. 
Vor der achten scheute Kapellmeister Stolperstock, über- 
schlug sich und flog so unglücklich aus dem Andante ins 
AUegro, dass er mit gebrochenem Violinschlüsselbein aus 
der Arena getragen werden musste. Die „Neunte" wurde 
vom Musikdirektor Mollhetzer schlank genommen, der so- 
4anfi n4t ^/^ Taktlän^en Vorsprung als erster durchs Ziel flog. 



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— 61 — 

7. Männergesang-Vereinsrennen. 

Von dcB 39 Vollblut- Vereinen, welche teils in halb- 
schnellen Kantern, teils in munteren Galoppsolfeggien an 
der Barriere des Geläufs erschienen waren, trat keiner zurück. 
Als Favorit startete mit 6 : 5 „Räusperich" , (aus „Keuch- 
husten" und „Grippenheil") mit allen Chancen des Gewinners. 
Aber, nachdem er in der Distanz das „Singen" sicher zu 
haben schien, wurde ^.Schluckauf" (aus „Salmiakslust" und 
„Gurgeleia'*) von Basstian Tonschinder noch einmal mit 
aller Kraft aufgebracht und entriss „Räusperich" den Sieg 
im Ziel um einen Notenkopf. Der Direktions Jockey Schrei- 
deibel stürzte mit „Cravattine" so unglücklich, dass er 
sich das vorgezeichnete Kreuz verrenkte. 

8. Solo-Hürden-Spielen. 

Instrumente aller Rassen und Jahrgänge zugelassen. 

Am Pfosten erschienen: 13 Orgeln, 21 Harfen, 47 Schlag- 
zithem und 5 Gla«harmonikas — drei der letzteren zu Fahrrad. 

Dies fesselnde Schluss-Rennen des musikalischen Pro- 
gramms nahm insofern einen unerwarteten Ausgang, als der 
siebzigjährige, weissgraue Organist „Balgloch", welcher an- 
fangs in majestätischem Piano in den Saal pacete, plötzlich 
sämtliche Register zog und — an all seinen Mitbewerbern, zuletzt 
auch an dem fuchsroten Zitherjährliug „Nervenspalter" und 
ebenso an der Dritten („Harfenjule", Hjährig, 30 Vi Kilo- 
gramm) fortissimo vorüberpfeifend — nach 1 Stunde 17Vs 
Minuten als erster ans Ziel brummte. Totalisator: 22 : 10. 

Nach beendigtem Rennen vereinigten sich sämtliche 
Sieger zu einem opulenten StimmgabelfrtUistück. 



$! 



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IMPROMPTUS 

von 
ALEXANDER MOSZKOWSKI. 

Aus Anton Notenquetschers Neuen Humoresken. Berlin, H. Steinitz 1893. 



Man achte auf den Sprachgebrauch: wer sich nicht 
blamieren will, bejuble eine Primadonna nicht mit Bravo, 
sondern mit „Brava!" — Es giebt sogar Italianissimi in 
Berlin, die bei solcher Gelegenheit „Dacapa!" rufen. 

Die Mehrheit der Operetten neueren Datums enthält die 
Lösungfolgender Kunstaufgabe: humoristische und ernste Ele- 
mente so zu verbinden, dass die letzteren Heiterkeit und die 
ersteren Trübsinn erzeugen. 



Ln Konzert pflegen es die Künstler mit dem Hervorruf 
nicht so genau zu nehmen, wie im Theater. Wir haben es 
erlebt, dass ein Pianist beim Vortrag einer einzigen Bachschen 
Fuge ungerufen zwölf mal herauskam. 



Seuchen, verheerende Brände, üeberschwemmungen und 
andere Kalamitäten haben gewöhnlich Wohlthätigkeits-Kon- 
zerte im Gefolge. Es kommt eben selten ein Unglück allein. 



Mascagnis „Cavalleria" ist für das Format der neuesten 
italienischen Opern vorbildlich geworden. Die Verfasser be- 
rechnen jetzt den Erfolg nach dem Grundsatz der modernen 
Artillerie: je kleiner das Kaliber, desto grösser die durch- 
schlagende Wirkung. 



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DIE KONZERTFLUT. 

Aus dem nUlk.** 



Noch nie in den Annalen Elios 
Ward anfgeführt ein gleiches Jahr: 
Von soviel Solos, Duos, Trios 
Bringt kein Bericht uns Kunde dar. 
Von Mh his abend währt die Hämm'rung, 
Der eine spielt, der andere plärrt, 
Und Wagner in der „Götterdämmerung'* 
Bringt selbst ein Mittemachtskonzert 

Apollo, sanfter Gott der Lieder, 

höre du den Wehgesang! 

Und lasse leis verebben wieder 

Der Tonflut wilden Wogendrang. 

Die Notentiger — lehre du sie's. 

Wie weit der Tonkunst Grenze geht . . . 

Und dann Apollini et Musis 

Gilt unser wärmstes Dankgebet! 



JK* 



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— 64 — 



KLAVIERSPIEL, GESANG. 



Mit Recht erscheint uns das Klavier, 
Wenn's schön poliert, als Zimmerzier. 
Ob's ausserdem Genuss verschafft, 
Bleibt hin und wieder zweifelhaft. 
Wilh. BUSCH, Fipps, der Affe. 



LEITFADEN FÜR KLAVIERSPIELER. 

Aus der „Jugend." München 1897. 



Das Klavier, auch „Instrument" genannt, dient zur Her- 
vorbringung von Geräuschen, welche zur Begleitung des Ge- 
sanges, des Tanzes u. s. w. vielfach benutzt werden können. 
Viele spielen darauf auch zu ihrem eigenen Vergnügen, 
wenige nur zum Vergnügen der anderen. Seit die Damen 
sich dem Radfahren zugewendet haben, ist das Klavierspiel 
etwas aus der Mode gekommen, was aUgemein nicht bedauert 
wird. Es giebt verschiedene Arten von Klavieren. Die ganz 
grossen mit einem Deckel zum Auf- und Zumachen, der bei 
Reinigung des Instrumentes sehr zweckmässig ist, heisst 



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— 65 — 

man Flügel. Ist das dünne Ende des Flügels abgenützt, so 
schneidet man es ab und nennt dann das Instrument Stutz- 
flügel. Für Minderbemittelte werden auch Stutzflügel her- 
gestellt, an denen von vornherein das dünne Ende fehlt. 
Beliebt sind die sogenannten Pianinos, welche ganz kurz und 
darum auch viel leichter zu spielen sind. Sie können selbst 
von den zartesten Frauenhänden an extra dazu angebrachten 
Handgriffen in der Wohnung herumgezogen werden und zwei 
Männer tragen sie bequem die Treppe herauf, was 3 bis 4 
Mark kostet. Je nach der verschiedenen Aufschrift auf dem 
Klavierdeckel unterscheidet man Blüthner-, Bechstein-, Stein- 
way- etc. Klaviere. Im Effekt bleiben sie sich aber ziemlich 
gleich — höchstens bestehen gewisse Klangunterschiede. Das 
Klavier sollte ebensowenig wie der Eisschrank und das 
Kohlenbügeleisen in einem modernen Haushalt fehlen; nament- 
lich für die Kinder bietet es eine unerschöpfliche Quelle des 
Vergnügens, was allerdings die Nachbarparteien oft zum 
Ausziehen veranlasst. Man unterscheidet gemietete und ge- 
kaufte Klaviere; auf den ersteren spielt man mehr forte, 
auf den letzteren mehr piano. 

Oeffnen wir den schmalen Deckel des Klaviers, so be- 
merken wir die Tasten, weisse und schwarze, welche leicht 
auf und nieder bewegt werden können und den Ton hervor- 
bringen. Für das einfache, gut bürgerliche Klavierspiel ge- 
nügen die weissen Tasten, die schwarzen sind mehr Deko- 
ration und werden nur von künstelnden, renommistischen Spielern 
häufiger benutzt. Sie haben absolut keinen schöneren Ton 
als die weissen. Musikstücke, die vorwiegend auf den schwarzen 
Tasten gespielt werden, sind meistens von Richard Wagner 
— ausschliesslich für die schwarzen Tasten komponiert in 
neuerer Zeit Eichard Strauss. 

Unten an dem Instrument, an Drähten hängend, befinden 
sich zwei Messingtritte, die sogenannten Pedale, welche mit 



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— 66 — 

den Füssen bewegt werden, um eine einseitige gymnastische 
Ausbildung der oberen Extremitäten zu verhindern. Seit der 
Erfindung der Nähmaschine und des oben genannten Velo- 
cipeds sind sie ziemlich überflüssig und verteuern unnötig 
das Instrument. 

Will man aufhören zu spielen, so klappt man einfach 
den Deckel zu und bedeckt sein Klavier, namentlich wenn 
es durch längeres Spielen erhitzt ist, mit der Klavierdecke. 
Muster für solche Decken findet man in jedem Damenjoumal. 
Die Hauptsache ist, dass sie warm sind. 

Die Gewohnheit vieler Personen, im Innern des Instru- 
mentes Wäsche, Steinkohlen, Flaschenbier und Esswaren auf- 
zubewahren, ist verwerflich; namentlich die letzteren leid^ 
durch die dumpfe Luft in dem verschlossenen Kasten. Auch 
beeinträchtigt die AnfüUung des Klaviers mit solchen Gegen- 
ständen leicht den Ton. Besonders gilt das von den Bier- 
flaschen, welche klappern. 

Stellt man das Instrument in feuchten Wohnungen dicht 
ans Fenster oder vor den Ofen, so ergeben sich nach einiger 
Zeit Veratimmungen, welche feineren Ohren Missbehagen be- 
reiten sollen. Diese kann jeder leicht dadurch beheben, dass 
er den Stimmschlüssel an eigens zu diesem Zwecke im Innern 
angebrachte Bolzen ansetzt und so lange von links nach 
rechts dreht, bis es genug ist. Für den einfachen Hausge- 
brauch ist das Klavierstimmen nicht nötig und wird hier 
auch selten geübt. 

Ausser dem Stimmschlüssel braucht man noch den eigent- 
lichen Klavierschlüssel, welcher sehr leicht verlegt wird und 
dadurch den Anlass zu vielen Verdriesslichkeiten giebt, den 
Violinschlüssel, welcher mit der rechten, und den Bassschlüssel, 
welcher mit der linken Hand benutzt wird. Ordnungsliebende 
Klavierspieler tragen diese vier Schlüssel am besten an einem 
Schlüsselring. 



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— 67 — 

Wünscht man des Abends zu spielen, so zttndet man 
zwei KHmerkerzen an, wie solche in jedem grösseren Ge- 
schäft zu haben smd, weil die Hände sonst zu leicht fehl- 
greifen. Manche spielen Mm sogenannten Phantasieren 
manchmal auch ohne Licht, doch bleibt dies immer eine un- 
zuverlässige Geschichte, ein Sprung ins Dunkle. Vom Blatt 
sollte man nachts nie ohne Licht spielen. Bei nächtlichem 
Spielen empfiehlt es sich, die Fenster zu öffnen, wodurch 
man mehr Zuhörer gewinnt Thut man dies aber nach 11 
Uhr, so kommt die Polizei. 

Betrachten wir die Klaviatur näher! 

Der Ton, der sich gerade vor dem Unterleib des Spielers 
befindet, heisst c (sprich „zeh!") Rechts davon befinden 
sich die leisen, links die kräftigen Töne. Gleichzeitig können 
von einem Spieler nicht leicht mehr als zehn Töne (Tasten) 
angeschlagen werden, ausser er setzt sich auf die Klaviatur. 
Es genügen übrigens zum Hervorbringen sehr gefälliger Me- 
lodien oft schon zwei bis drei Töne. Schlägt man drei, vier, 
oder gar fünf Töne gleichzeitig an, so nennt man das Accord 
oder Dreiklang. Derselbe kommt fast nur links vor. 

Streckt man die Finger einer Hand so weit aus, als es 
geht, so heisst man den Abstand zwischen Daumen und 
Zeigefinger Oktave. Kleinere Zwischenräume nennt man Terz 
und Quart Beim Klavier heisst übrigens nicht wie beim 
Studentengesicht die linke Seite Quart-, die rechte Terzseite. 
Spielt einer mit zwei Fingern so schnell, dass man sie nicht 
mehr sieht, so heisst man es einen Triller. Sogenannte Läufe 
entstehen, wenn man mit dem Daumennagel schnell von links 
nach rechts über die Tasten fährt Versucht man dies auf 
den schwarzen Tasten, so thut es weh. 

Für Anfänger empfiehlt sich die Wahl eines Lehrers. 
Es giebt davon zu allen Preislagen. Ganz gute Lektionen 

5* 



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— 68 — 

erhält man schon für fünfzig Pfennige, Klavierlehrer mit 
sehr langen Haaren kosten aber auch drei Mark und mehr. 
Für männliche Erwachsene empfiehlt sich die Wahl einer 
Lehrerin, weil hierdurch Lust und Liebe geweckt wird. 

Reichen die Mittel nicht weit, so beginne man mit dem 
Selbstunterricht, denn Probieren geht über Studieren. Am 
besten fängt man mit der rechten Hand an, weil diese weniger 
steif ist. Hat man nach einigen Monaten die ei'sten Schwierig- 
keiten überwunden, so führe man die gleichen Uebungen mit 
der linken Hand aus. Hat auch diese eine gewisse üebung 
erlangt, dann erst lege man beide Hände aufs Klavier. Zur 
eigenen Aufmunterung spiele man Stücke, die leicht ins Ohr 
gehen, wie den „Donauwellen-Walzer", den „Feuerzauber" 
u. s. w. So schreitet man langsam vor bis zur „Letzten 
Kose" und dem „Gebet einer Jungfrau". 

Ueber die Kunst des Vortrages ist schon sehr viel ge- 
schrieben worden; am besten bleibt es aber doch dem Fleissund 
dem Geschmack des Schülers überlassen, das Richtige zu 
treffen. Hat man mehr als zwei Zuhörer, so empfiehlt es 
sich, den Klavierdeckel zu öffnen, was die Tonstärke wesent- 
lich erhöht. Der Anfänger sage sich immer: Spiele laut! 
Nur so überwindet er die angeborene Scheu vor dem Instru- 
ment, und die Zuhörer brauchen sich mit dem Hören nicht 
so anzustrengen. Greift einer, der laut und energisch spielt, 
auch einmal daneben, so meinen die Hörer, es müsse so sein 
und genieren sich, wenn es ihnen nicht schön vorkommt. 
Man hüte sich davor, wenn man einen Ton falsch gegriffen 
hat, ihn noch einmal zu suchen — man würde die Zuhörer 
dadurch nur unnötigerweise auf den begangenen Fehler auf- 
merksam machen. 

Es giebt zwei Hauptmethoden des Klavierspiels, das 
Auswendiglernen und das Spielen nach Noten. 



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ErBterera ist der Vorzug zu geben, well die unpraktische 
und komplizierte Notenschrift schwierig zu lesen ist, und 
weil es Unbequemlichkeiten verursacht, tiberall, z. B. auf 
Reisen, Landpartien u. s. w. Noten mitznftihren. Der Aus- 
wendigspieler macht zudem stets einen besseren Eindruck 
als der, welcher seine Noten sklavisch und mühsam vom 
Blatte abliest. Dies hat immer etwas Dilettantisches an sich. 
Klavierspieler, die mit Handschuhen ans Klavier gehen und 
sie dort ausziehen, heisst man Virtuosen. 

Wer trotz der angegebenen Nachteile des Verfahrens 
doch nach Noten spielen will, richte beim Ankauf der Noten 
(auch Musikalien genannt) sein Augenmerk darauf, dass die 
Noten nicht zu dunkel sind, sondern das AVeisse des Papiers 
vorherrscht. Man lasse sich ja von gewissenlosen Verkäufern 
nicht solche schwarze Noten anschwatzen, die auch von vor- 
geschrittenen Künstlern oft nur mit Mühe gespielt werden 
können. Besonders mnss vor den Lisztschen Noten gewarnt 
werden, deren mühevolle Bewältigung oft in gar keinem 
Verhältnis zum Vergnügen der Hörer steht Jedenfalls be- 
ginne man mit ganz hellen Noten, namentlich Volksliedern, 
deren ergreifende Einfachheit stets gerühmt wird. Dann gehe 
man langsam zu Polkas und Märschen über. 

Ist eine Pi^ce für einen Spieler zu schwer oder will 
man schneller damit zu Ende kommen, so entschliesst man 
sich manchesmal zum Vierhändigspielen, wozu zwei Klavier- 
spieler gehören. Im übrigen ist das Verfahren nicht sehr 
zu empfehlen, denn selten sind die Charaktere der Klavier- 
spieler so nachgiebig, dass immer eins auf das andere wartet. 
Lieber nehme man sich mehr Zeit und spiele seine Pi^ce 
allein. Damen lässt man, wie überall, so auch beim Vier- 
händigspielen rechts sitzen, nur Ehefrauen spielen links vom 
Gatten, 



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— 70 — 

Ein junger Pianist, der die oben angegebenen Lehren 
beherzigt, wird in Bälde sich zum tüchtigen Künstler aus- 
gebildet haben, wenn er nur Fleiss, guten Willen und ge- 
duldige Nachbarn hat. 



PICCOLO. 



^ 



DIE KLAVlER-HYANE. 

Aus dem Kladderadatsch. — Nach dem „Klavierlehrer" 1893. 



Den Schumann, den Schubert, den Chopin, den Kücken 
Zerfleischt sie, zerfetzt sie, zerreisst sie in Stücken; 
Voll Wutgier und Blutgier verschlingt sie und frisst 
Den Mendelssohn, Offenbach, Händel und Liszt; 
Mit fletschenden Zähnen mordgrimmig erschnappt 
Sie den Verdi, Clementi, Scharwenka, Franz Abt 
Und stürzt sich blindwütig, verlechzt und verhungert 
Auf Dvorak, Moszkowski, Bach, Berlioz, Bungert; 
Mit furchtbaren Tatzen in grausamem Spiel 
Verstümmelt sie Haydn, Raff, Lortzing und Kiel. 
Kein Buhen, kein Basten, kein Mitleid noch Gnade, 
Sie würgt Cherubini, Gluck, Jensen und Gade; 
Allegro, vivace, con fuoco, con moto 
Zerhämmert, zerpaukt sie, zerhackt sie den Flotow, 
Den Strauss, Donizetti, Bellini, Spontini, 
Den Brahms, Kalliwoda, Scarlatti, Bossini. 
Sie orgelt, sie dudelt, sie klimpert und klappert. 
Den Beethoven, Meyerbeer, Taubert und Tappert, 
Vergiftet mein Herz mir, zerreisst mir mein Ohr 



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— 71 — 

Mit Supp6, mit Saint-Saön«, Grell, Fesca tind Spohr; 

Wie kocht mir die Galle, wie schwillt mir die Leber, 

Sie schont nicht den Mozart, sie schont nicht den Weber, 

Und Siegfried und Tristan — o höllische Qual! 

Fast niemals im Takte und immer Pedal I 

Auszog' ich möblirter, verzweifelter Herr, 

Wohnt* ich nicht drei Treppen hoch, sondern Parterre. 



DER TOLL GEWORDENE FLÜGEL 

von 

HECTOR BERLIOZ. 

Aus den Soir^es de l'Orchestre. — Deutsch v. H. S. 



Die Prüfungen am Konservatorium haben vorige Woche 
begonnen. Am ersten Tage nahm Herr Auber, um gleichsam 
den Stier bei den Hörnern zu fassen, die Elavierklassen vor. 
Die unerschrockene Jury, die beauftragt war, die Preisbe- 
werber zu hören, vernimmt ohne merkliche Erregung, dass 
es einunddreissig an der Zahl sind, achtzehn Damen und 
dreizehn Herren. Das für den Wettstreit gewählte Stück 
ist das G moll-Konzert von Mendelssohn. Wenn also nicht 
etwa einen der Kandidaten während der Sitzung der Schlag 
rührt, so wird das Konzert einunddreissigmal hintereinander 
gespielt; das weiss man. Was man aber vielleicht noch nicht 
weiss, und was ich selbst vor wenigen Stunden noch nicht 
wusste, da ich nicht den Wagemut hatte, dem Experiment 
beizuwohnen, das hat mir heute Morgen ein Pedell des 
Konservatoriums erzählt, als ich über den Hof der Anstalt 
schritt 



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— 72 — 

Ach! der arme Erard! sagte er, so ein Unglück! 

Erard, was ist ihm passiert? 

Wie, waren Sie denn nicht in der Klavierprtifnng? 

Freilich nicht. Was ist denn geschehen? 

Denken Sie sich nur, Herr Erard war so liebenswürdig, 
uns für den Tag einen prachtvollen Flügel zu leihen, den er 
eben fertiggestellt hatte und den er 1851 zur Weltausstellung 
nach London schicken wollte. Sie können sich vorstellen, 
dass er damit zufrieden war. Ein kolossaler Ton, noch 
nicht dagewesene Bässe, kurz ein aussergewöhnüches In- 
strument. Nur die Tasten gingen ein bischen schwer, aber 
gerade deswegen hatte er ihn uns geschickt. Erard ist nicht 
von gestern und hatte sich gesagt: wenn die 31 Schüler ihr 
Konzert heruntertrommeln, werden sie die Tasten meines 
Flügels schon aufmuntern, und das kann ihm nur gut thun. 
Das war schon recht, nur ahnte der arme Mann nicht, dass 
seine Klaviatur auf eine so fürchterliche Weise aufgemuntert 
werden würde. Freilich, wenn ein Konzert 31mal hinterein- 
ander an demselben Tage gespielt wird! Wer konnte denn 
die Folgen einer derartigen Wiederholung berechnen? Der 
erste Schüler erscheint also, und da er findet, dass der 
Flügel ziemlich schwer geht, greift er ihn kräftig an, um 
Ton zu ziehen. Der zweite dito. Beim dritten sträubt sich 
das Instrument nicht mehr so sehr; beim fünften noch weniger. 
Wie es der sechste gefunden hat, weiss ich nicht; in dem 
Augenblick, wo er auftrat, musste ich für einen unserer 
Herren Preisrichter, dem schlecht geworden war, ein Fläsch- 
chen Aether holen. Als ich zurückkehrte, war der siebente 
gerade fertig, und wie er vom Podium kam, hörte ich ihn 
sagen: „Der Flügel geht ja gar nicht so schwer; im Gegen- 
teil, ich finde ihn ausgezeichnet, in jeder Hinsicht voll- 
kommen." Die zehn bis zwölf folgenden Bewerber waren 



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- 73 - 

derselben ABsicht; die letzten behaupteten sogar, dass der 
Anschlag nicht nnr nicht zu schwer, sondern yiehnehr zu 
leicht sei. 

Gegen dreiviertel auf drei Uhr waren wir bei Nr. 26 
angelangt, um zehn Uhr hatte man angefangen; an der Reihe 
war Fräulein Hermance L6vy, der schwergehende Klaviere 
ein Gräuel sind. Sie konnte sich's also gar nicht besser 
wünschen, da sich um diese Zeit jeder beklagte, dass die 
Tasten schon bei der blossen Berührung ertönten; sie hat 
uns denn auch das Konzert so leichtfingerig heruntergespielt, 
dass sie glatt den ersten Preis bekam. Wenn ich sage glatt, 
so ist das nicht ganz richtig; sie hat ihn mitFrl. Vidal und 
Frl. Roux geteilt. Auch diesen beiden Damen kam die 
Leichtigkeit der Klaviatur zu statten; sie fing sich schon 
zu bewegen an, wenn man sie bloss anhauchte. Ist jemals 
so ein Flügel dagewesen? Als Nr. 29 vorspielte, musste ich 
wieder fort, um einen Arzt zu holen; ein anderer Preis- 
richter bekam einen hochroten Kopf und musste notwendig 
zur Ader gelassen werden. Ja, die Klavierprüfnng ist kein 
Spass! und als der Arzt kam, war es die höchste Zeit. Wie 
ich ins Theaterfoyer zurückkehrte,') sehe ich Nr. 29, den 
kleinen Planta, ganz bleich von der Bühne kommen; er 
zitterte am ganzen Leibe und sagte: Ich weiss nicht, was 
mit dem Flügel ist, aber die Tasten bewegen sich ganz von 
selbst. Es ist, als wenn inwendig jemand sitzt, der die 
Hämmer anstösst. Ich fürchte mich. 

Ach Unsinn, mein Junge, du redest dir *was ein, ant- 
wortet der kleine Cohen, der drei Jahre älter ist als er. 
Lasst mich durch, ich fürchte mich nicht 

Cohen (Nr. 30) geht hinein; er setzt sich an den Flügel, 
ohne die Klaviatur anzusehen, spielt sein Konzert sehr gut. 



1) Die Prüfungen finden in dem kleinen Tbettter de9 Kons^rvatorioia« 



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— 74 — 

und nach dem letzten Accord, wie er eben aufsteht — fängt 
da nicht der Flügel ganz allein das Konzert wieder von vom 
an?! Der arme junge Mensch hatte vorher den Helden ge- 
spielt; aber jetzt, nachdem er einen Moment wie versteinert 
gestanden, lief er davon, was er konnte. Der Flügel, dessen 
Ton von Minute zu Minute stärker anschwillt, lässt sich nicht 
stören und spielt seine Tonleitern, Triller und Arpeggien 
henmter. Das Publikum, das niemand am Instrument sieht 
und es zehnmal so stark wie vorher ertönen hört, gerät 
überall im Saale in Bewegung; die einen lachen, die andern 
fangen an sich zu ängstigen, alles ist in begreiflicher Ver- 
blüffung. Nur ein Preisrichter, der hinten aus seiner Loge 
die Bühne nicht sehen konnte, war der Meinung, dass Herr 
Cohen das Konzert wieder von vom angefangen hätte und 
schrie sich die Lungen aus: „Genug! genug! genug! Hören 
Sie doch auf! Lassen Sie Nr. 31, den letzten, kommen." Wir 
mussten ihm vom Theater aus zurufen: „Es spielt niemand; 
der Flügel hat sich an das Mendelssohnsche Konzert ge- 
wöhnt und trägt es ganz allein, nach seiner Auffassung, vor. 
Sehen Sie doch nur." — „Da hört ja aber alles auf; das 
ist ein Unfug! rufen Sie Herm Erard her. Beeilen Sie sich; 
vielleicht ist er imstande, dies schreckliche Instrument 
zu bändigen." — Wir suchen Herm Erard auf. Während 
dessen wurde der infame Flügel mit seinem Konzert fertig 
und fing es wieder von vom an, ungesäumt, ohne eine 
Minute zu verlieren, und so immerfort, immerfort mit immer 
grösserem Lärm, als wären es vier Dutzend Klaviere im 
unisono: Läufe, Tremolos, Passagen in Sexten und Terzen 
mit verdoppelter Oktave, zehnstimmige Accorde, dreifache 
Triller, ein Platzregen von Tönen, das Pedal, der Teufel 
und seine Grossmutter. 

Herr Erard erscheint; umsonst, der Flügel, der ganz von 
Sinnen ist, will sich auch seiner nicht entsinnen. Er lässt 



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— 75 — 

Weihwasser bringen und besprengt die Tasten damit, keine 
Wirkung: ein Beweis, dass keine Zauberei im Spiele, sondern 
dass es eine natürliche Folge der dreissig Wiederholungen 
eines und desselben Konzertes war. Das Instrument wird 
auseinandergenommen, die Klaviatur, die noch immer auf- 
und niedergeht, herausgehoben und mitten auf den Hof der 
Gerätkammer geworfen, wo der wütende Erard sie mit Beil- 
hieben zerschlagen lässt. Leicht gesagt! Nun war's noch 
schlimmer, jedes Stück tanzte, hüpfte, zappelte für sich, auf 
den Pflastersteinen, zwischen unsem Beinen hindurch, an der 
Mauer empor, überall, und so toll, dass endlich der Schlosser 
der Gerätkammer die ganze verrückt gewordene Mechanik 
zusammenraffte und sie in sein Schmiedefeuer warf, um der 
Sache ein Ende zu machen. Armer Erard! So ein schönes 
Instrument! Es schnitt uns allen ins Herz. Aber was war 
zu machen? Es war das einzige Mittel, damit fertig zu 
werden. Wie will man auch, wenn ein Konzert dreissigmal 
hintereinander in demselben Saal an demselben Tage gespielt 
wird, dass ein Klavier es sich nicht angewöhnen soll ! Wahr- 
haftig, Mendelssohn kann sich nicht beklagen, dass man seine 
Musik nicht spielt! Aber das kommt davon! 



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— 76 — 



KÖNNEN FRAUEN 
KLAVIERSTIMMERINNEN WERDEN? 



Zu dieser Frage, die im Jahre 1893 Gegenstand eines 
Preisausschreibens war, bemerkte das „Kleine Journal": 

Die Beantwortung muss entschieden zu Gunsten der 
Frauen ausfallen. Wenn irgendwo eine Saite verstimmt ist, 
so kann doch niemand besser die Verstimmung heben, als 
ein weibliches Wesen. Man bedarf dazu bekanntlich eines 
Schlüssels. Dem Mann steht nur der Hausschlüssel zur 
Verfügung und oft auch dieser nicht einmal, die Frau besitzt 
einen ganzen Scblüsselkorb, der ihr eine genügende Auswahl 
für ihre Zwecke bietet. Dem Manne geht femer die feine 
Beobachtungsgabe ab, mit der die Frau die Saiten des sie 
interessierenden Gegenstandes zu sondieren versteht. Auch 
mit der Stimmgabel wird sie geschickter umgehen, wie er. 
Dem Mann ist der richtige Ton nicht so geläufig, wie der 
Frau, Er ist an dem Ton im Wirtshaus oder gar an den 
Ton im Reichstag gewöhnt, sie aber versteht sich, dank 
ihrem Häuslichkeitssinn, auf den Kammerton. Wir halten 
nach alledem die Frau zum Klavierstimmen für besonders 
prädestiniert, und wenn ein Klavier sich selbst spielen könnte, 
würde es sicher das Lied ertönen lassen: 

Mädel, ruck, ruck, ruck an meine Sa—i— te. 



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77 — 



EINE DEUTSCHE ABENDGESELLSCHAFT 

von 

CARL WITTKOWSKY. 

Blätter aus dem Tagebuche des Amru Ben Adijah. 
Ueber Land und Meer. Bd 44. 1880. 



... Es ist inzwischen zehn Uhr geworden, — immer 
dichter ist der Kreis geworden — und 's ist furchtbar heiss 
geworden. — Endlich ward der geschlossenen Gesell- 
schaft Siegel geöfEnet, — - nämlich der Flügel geöffnet, — und 
es verkündeten drinnen Accordschläge — das Beginnen der 
Vorträge, — worauf die Singenden die ältesten Lieder 
brachten — und niedermachten. — Die eine sang von 
Schubert das Lied, das schwierige, — „Der Neugierige", — 
ein anderer — den „Wanderer", — dann eine von den 
minder Begabten — ein Lied von Abt'en, — darauf folgte 
im Wettgesang, — ein Duettgesang, — und zwar, damit's 
nicht zu bald vergesse sich, — „ich wollt', meine Liebe er- 
gösse sich". — Nachdem auch ich nun den Abend unterstützt 
hatte - und am Klavier eine Paraphrase heruntergeschwitzt 
hatte — unter obligatem Klirren — von Theegeschirren, — 
und unter dem Knarren der Thüren — und dem Geräusch 
vom Servieren, — ward endlich verkündet, was sowohl für 
den leeren Magen, — wie überhaupt an so schweren Tagen 
— das grösste Behagen, — und was sich nun endlich labend 
bot: — das ABENDBROT. 



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— 78 — 



LIEBCHEN LASS! 

Von 

KURT KAMLAH. 

Aus den Liedern des armen Kurti. Berlin, Schuster & Loeffler 1897. 



Liebchen, bitte, lass das Singen, 
Denn Du hast ja kein Gehör, 
Und wenn Deine Lieder klingen 
Furcht' ich immer ein Malheur! 

Ist es doch gottlob kein Müssen 
Und für Dich nicht heil'ge Pflicht. 
Liebchen, lass, Dein Mund kann küssen. 
Aber singen kann er nicht! 



MANNERGESANG. 

Der Verfasser dieser komischen Persiflage, die im Jahre 1896 die 
Runde durch die Blätter machte, war nicht zu ermitteln. 



Ich hasse den sogenannten Männergesang. Er ist mir 
das Langweiligste und Unkünstlerischte, was ich mir denken 
kann. Aus diesem Grunde besuche ich auch ginindsätzlich 
keine Vereinskonzerte. Nur einmal bin ich meinem Vorsatze 
untreu geworden, und das war, als mich mein Freund, ein 
begeisterter Vereinsmeier, einlud, mir eine neue Komposition 
für grossen Chor und Orchester anzuhören, deren Verfasser 
ihm bekannt seL Zugleich wettete er zehn gegen eins, dass 



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— 79 — 

mich die Komposition infolge ihrer Schönheit ein für alle- 
mal von meiner Abneigung gegen derartige Erzengnisse 
heilen würde. So machte ich also eine Ausnahme und ging 
in das Konzert, richtete es jedoch so ein, das ich nur die 
betreffende Komposition zu hören brauchte. Der Text dazu 
bestand aus fünf Strophen zu je sechs Zeilen. Die erste 
Strophe lautete wie folgt: 

Wie herrlich ist's im grünen Walde, 

Wenn an den Gräsern blinkt der Tau, 

Wenn durch die Wipfel leise flüstert 

Der Sommer-Morgenwind so lau. 

Und durch die Lüfte jubelnd zieht 

Der Vögel wundersüsses Lied. 
In der Form, wie es gesungen wurde, kam es folgender- 
maassen zu Gehör: 

Wie heri'lich ist's im grünen Walde, wenn an den Gräsern, 
den Gräsern, den Grä — ä — ä-— ä— äsem blinkt der Tau, wenn 
an den Gräseni, wenn an den Gräsern blinkt der Tau, blinkt 
der Tau, bli— i— i— i — inkt der Tau, wie herrlich ist's im 
grü— ti— ti — nen Walde, wenn an den Gräsern blinkt der 
Tau, wenn durch die Wipfel, die Wipfel, die Wipfel, leise, 
leise, lei—ei— ei— se flüstert der Sommer-Morgenwind, der 
Sommer-Morgenwind, so — o lau, so — o lau, so — o — o — o — o 
so lau, und durch, und durch, und durch die Lüf — te, und 
durch die Lüfte jubelnd, und durch die Lüfte jubelnd, und 
durch die Lüfte jubelnd, jubelnd, jubelnd, ja ju — belnd zieht, 
und durch die Lüfte jubelnd zieht der Vögel wunder-, wunder-, 
wundersüsses, der Vögel, der Vö— ö— ö— ö— gel wunder-, 
der Vö— ö— ö— ö— gel wundersüsses, wundersüsses, wunder- 
sü— ü— üsses Lied, und durch die Lüfte jubelnd zieht, und 
durch die Lüfte jubelnd zie— ieht, der Vögel, ja der Vögel, 
der Vögel wundei*sü— sses Lied! — 

Die übrigen fünf Strophen habe ich mir geschenkt. Aber 
eine Woche litt ich an Nervenzuckungen. . . 



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— 80 — 



DIE KRITIK. 



DER ZEITÜNGSTEUFEL 

von 

FRITZ MAUTHNER. 

Aus: Credo. Berlin, J. J. Heine 1886. [Auszug]. 

Ein junger Fuchs sucht bei einer Zeitung anzukommen. Der 
Zeitungsteufel in der Maske eines Gelehrten klärt ihn über das 
Zeitungswesen auf. Sie kommen schliesslich auch auf das Feuilleton 
zu sprechen. 

Fuchs. 

Verzeihen Sie meine vielen Fragen. 
Können Sie mir vom Fenilleton 
Nicht auch ein kräftig Wörtlein sagen? 
Beliebt ist's ja wie ein Bonbon. 

Teufel. 

Der Geist des Feuilletons ist leicht zu fassen: 
Man muss sich einfach gehen lassen. 
Besonders müssen's die Weiber lieben, 
Für sie wird unter dem Strich geschrieben. 
Ein Doktortitel muss sie erst vertraulich machen, 
Dann dürfen Sie ihnen graulich machen 
Und die schönsten Sachen heruntermachen. 
In hundert Zeilen nur klipp klapp 



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- 81 - 

Schlachten Sie hundert Bücher ah, 
Beklagen Sie ernst, dass die Posse gefällt, 
Und treiben Spott mit der tragischen Welt. 
Doch Freibillet und Musikkritik 
Ist des Feuilletonisten höchstes Glück. 

Fuchs. 

Ich würde recht gern Musikrecensent, 

Wenn ich nur wüsst', wie man die Noten nennt. 

Teufel. 

Narr! über Musik gelehrt zu schreiben, 

Ist fast so leicht wie Gänse treiben; 

Wem seine zwei Ohren vom Kopfe stehn. 

Kann unter Musikrecensenten gehn. 

Wer alles lobt oder alles reisst. 

Bei den Leuten ein tüchtiger Bichter heisst. 

Sie loben in einem Duo zwei. 

Im Trio drei, das steht Ihnen frei. 

Loben ist leicht; doch wer schimpfen kann, 

Ist bald der angesehnere Mann. 

Fuchs. 

Wo nehm' ich die technischen Worte her? 

Teufel. 

Ein Dutzend zu lernen ist nicht schwer. 
Vernehmen Sie keinen deutlichen Ton, 
So nennen Sie's immer polyphon. 
(Mit ph und einem y). 
Wird das Klavier kaum noch gehört. 
So ist es ein Klavierkonzert. 
Doch hören Sie das Klavier allein, 
Werden's moderne Lieder sein. 



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Wenn der Pinger Blut auf den Tasten fliesst, 

Dann heisst es Bravour, der Mann spielt Liszt. 

Blicken die Sänger besonders dumm, 

Ist*s wohl ein Oratorium. 

Auch müssen Sie die Lehre nützen: 

Dass Geiger stehn, Cellisten sitzen. 

Das Woi-t, das von allen am meisten prunkt, 

Ist der beliebte Kontrapunkt; 

Setzen Sie ihn wo immer hin 

Und schneiden Sie eine ernste Mien\ 

In der Oper sind Blonde immer Tenöre, 

Die Schwarzen Bariton, falsch die Chöre. 

Und die Prinzessin von starker Statur 

Singt regelmässig Koloratur. 

Haben Sie diese paar Worte begriffen, 

Ist schon Ihr kritisches Messer geschliffen. 

Sie setzen sich auf den Richterthron, 

Und erhalten gar schmeichelhaften Lohn. 

Die allergefeiertsten Sängerinnen 

Bemühen sich, Ihre Gunst zu gewinnen. 

Sie rühmen Ihren Kunstverstand 

Und drücken furchtbar warm die Hand. 

Zum Willkomm tappen Sie u. s. w. 

PüCHS. 

Das sieht schon besser aus! 

Teufel. 

Nur heiter! 
Kritisieren ist keine Hexerei! 
Ich glaube, dass eins nur nötig sei. 
Drum sagen Sie, eh* wir*s noch weiter treiben: 
Verehrter, können Sie denn schreiben? 



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— 83 — 

Fuchs- 

Auch was Geschriebenes fordern Sie, Pedant? 
Ich bin für meine schöne Schrift bekannt! 
Wenn es denn sein muss, Herr Doktor, ei nnn, da 
Wäre mein letzter Aufsatz aus Sekunda. 

Teufel (nachdem er gelesen). 

Sie sind für uns noch nicht ganz reif. 

Fuchs. 

Ach, werden Sie doch nicht gleich so steif! 
Ich spiele ganz vorzüglich Karten, 
Versteh* im Caf6 auf Gedanken zu warten, 
Kann alles trinken, alles rauchen — 

Teufel. 

Ich kann Sie dennoch nicht gebrauchen. 

Fuchs. 

Ich bin mit kaltem Wasser begossen: 

Die Geisterwelt ist mir verschlossen! 

Doch wenn auch der Teufel mich gehen lässt, 

Ich bleibe fest. 

Blüht mir in der Presse kein ander Heil, 

Werd* ich Redakteur vom Inseratenteil. 



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84 - 



SELBSTKOSTEN. 

Aus der „Jugend" München 1897. 



In einem Berliner Beleidigungsprozess hat ein der Be- 
stechlichkeit beschuldigter Musikkritiker erklärt, die 50 Mark, 
die er von einem Recensierten angenommen, seien nur für 
Selbstkosten, wie Droschken, Billets, Abendessen ausser dem 
Hause u. s. w. gewesen. Ein Geschäft habe er dabei gar 
nicht gemacht. Bedenkt man, mit welchen enormen Be- 
triebskosten solch ein vielgeplagter Mann arbeitet, so kann 
man ihm nur recht geben. Wir wollen zu seiner Ent- 
schuldigung in folgendem die Selbstkostenaufstellung des 
Musikrecensenten Lapperl im Wortlaut mitteilen, welche 
jener dem Komponisten HÄHNLEIN für Besprechung der 
symphonischen Tondichtung „Hexensabbath" aufstellte: 



Entschädigung für die Absage an meine Skatge- 
sellschaft, wo ich mindestens 5 Ji. am Konzert- 
Abend gewonnen hätte 

Eine neue Hose, die zum Konzertbesuch unbedingt 
nötig war 

4 Billets für mich, meinen Onkel, meine Tante 
und meine Cousine Ida (ich kann doch nicht 
allein in's Konzert gehen 

4 Konzertprogramme 

Garderobe 

Entschädigung für ein Paar entzweiapplaudierte 

Handschuhe (zweiknöpfige für mich) .... 

do. do. achtknöpfige für meine Tante . . . 

2 Cognaks für mich, um in Stimmung zu kommen 

3 Krügel Pilsner für meinen Onkel 

Eis für meine Tante 

Eine Rose für Ida 



M 



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5 


— 


35 


— 


20 




— 


80 


1 


50 


3 


50 


5 


— 


1 


20 


1 


50 


— 


50 


— 


60 



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- 85 



Auf das Konzert entfallende Quote der Konten 
meiner musikalischen Ausbildung (5 Jahre 
Konservatorium) 

Abendessen ausser dem Hause für vier Personen 

Wein hiezu 

Nachtdroschke für 3 Personen 

Eintrittskarte in das „Orpheum'S welches ich, von 
der dithyrambischen Stimmung der Tondichtung 
hingerissen, besuchte 

2 Dutzend Austern 

1 Flasche Pommery 

Konfekt für Coralie 

Droschke (Nachttaxe) 

Sonstige, durch die Stimmung der Tondichtung 
hervorgenifene Ausgaben 

Droschke (Morgentaxe) 

1 Gramm Antipyrin 

1 Flasche Sodawasser 

Papier 

Tinte 

Löschblatt 

Abnutzung an meinem Federhalter 

Ein neuer Schreibtisch 

Entschädigung für meine unbegreiflicherweise im 
Orpheum oder später verschwundene Taschenuhr 

Briefmarke 

Entwertungsquote an meinen Schreibärmeln durch 
einen Tintenklecks 

Streichhölzer 

Kerze 

Katerfrühstück bei „Dressel" .... . . . . 



165 


35 


14 


65 


12 





2 


— 


3 




6 





12 





1 





2 


50 


20 


__ 


1 




— 


20 


— 


20 


— 


3 


— 


6 


— 


3 


— 


1 



250 



140 



15 



4 



10 

7 

3 

10 

40 



710 82 



Herrn Hähnlein zu umgehender Bereinigung mit 
dem Bemerken, dass ich mir jedes etwaige Douceur 
ausser den auf Heller und Pfennig ausgerechneten 
Selbstkosten energisch verbitten würde. 



Lapperl, 

Unbestechlicher Kritiker, 



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SCHWACHE AUGENBLICKE DER KRITIK. 

Aus dem „Album unfreiwilliger Komik", Berlin, R. Eckstein Nachf. 
Bd 1—3 zusammengestellt. 



Vielen Werken Gades wohnt die meergeborene See- 
möwenstimmnng inne. 

Elberfelder Zeitung Nr 21. 1880. 



Mozart erlebte am 27. Jannar 1880 eine vorzügliche 
Interpretation seiner Oper: „Die Entfühiung". 

Dresdener Nachrichten. 29. Jan. 1880. 



Der Herr Konzertgeber hat sich im Pfluge Anerkennung 

erworben. 

Emdener Zeitung Nr 50. 1888. 



Die hundertste Aufführung des „Nachtlager von Granada" 
ging auf unserer Hofbühne ohne Sang und Klang vorüber. 

Hannov. Courier Nr lOl. 1879. 



Von Herrn Gnnz erhält man den Eindruck, er würde, 
auch wenn er gar keine Stimme mehr behält, dennoch ent- 
zückend schön singen. 

Weser-Zeitung. Febr. 1885. 



Die Musiker trugen die Piecen mit Prätension vor. 

General-Anzeiger von Thale Nr i. 1886. 



Die obige Besprechung kommt nicht aus der Feder 

unseres Musikreferenten, sondern geht uns von geschätzter 

Haj^d zu, 

Posen^r Zeitung Nr 219. 1877. 



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— 87 -- 

In dem Konzerte wirkte Fräulein S. mit, eine auf der 
Geige und auch ausserhalb derselben gleich schöne Künstlerin. 

Leii)ziger Nachrichten. 23. Dez. 1873. 



Am blechmusikalischen Himmel ist den Dresdenern ein 
neuer Stern aufgegangen. 

Dresdener Nachrichten. 16. April 1873. 



Alle vierhändigen Klavierspieler werden ihr Wunder er- 
leben, wenn sie Goldmarks soeben erschienene Ouvertüre 

nachspielen. 

Nenes Dresdener Tageblatt Nr 299. 1889. 



In Schumann ist eine der schönsten Blüten der Romantik 
dem Grundstein entsprossen, den Bach gelegt hat 

Musikalisches Centralblatt Nr i. 1880. 



Bei der günstigen Akastik erzielten die Männerchöre 
überraschende Wirkung. Wie Sturmesbrausen rollten die 
Fortes durch den Raum dahin, während in seinen fernsten 
Enden die Pianinos zu ersterben schienen. 

Nürnberger Stadtzeitong. 16. Febr. 1883. 



Der Bassist Renner ist eine imposante, junonische Er- 
scheinung. 

Elbinger Allgemeine Zeitung. 13. Nov. 188 i. 



Am Karlsruher Hoftheater sang Herr Hübner aus Leipzig 
in Gounods Margarete die Titelrolle. 

Badische Landeszeitung. 13. April 1894. 



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— 88 



POTPOURRI. 



Ausser den 12 Dur- und den 12 Moll-Tonarten giebt es 
noch eine Masse Ton-Unarten. 



Wenn gute Musik zu Gehör gebracht wird, so halte man 
gefälligst das M — usikprogramm und schweige fein still. 

Musikalische Mixtur von M. M. 



Der Rentier Notenmeyer, ein ausgesprochener Konzert- 
fex, ist mit der Zeit so musiknärrisch geworden, dass er 
seine fünf Töchter: Line, Lene, Kati, Cordula und Jette in Vio- 
Line, Kanti-Lene, Stak-Kati, Ac-Oordula und Kastan-Jette 
umgetauft hat. 



Der Gesang der Schulkinder in der alten Dorfkirche 
wirkte in seiner Monotonie unsagbar ermüdend und ein- 
schläfernd. Es war das reine Choral-Hydrat. 



AUS DER THEORIE. 

1. Technik jt nichts als die Fähigkeit, den rechten 
Finger zur rechten Zeit auf die rechte Taste zu setzen. 

2. Die Grundlage der gesamten Harmonie ist die 
ganze Tastatur. Die peciellen Accorde findet man durch 
Weglassen der nicht dazugehörigen Töne. 

Zeitgeist. 



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